Antidepressiva Blog

Spravato seit März 2021 in Deutschland zugelassen

Der Hersteller Janssen vermarktet Spravato als erstes Mittel einer neuen Generation von schnell wirkenden Antidepressiva. Nur in einer der 3 Studien konnte ein signifikanter Vorteil von Esketamin gegenüber herkömmlichen Behandlungsmethoden nachgewiesen werden.

Spravato ist ein ketaminhaltiges Nasenspray. Es soll eine andauernde depressive Symptomatik verbessern. Der Hersteller Janssen vermarktet es als erstes Mittel einer neuen Generation von schnell wirkenden Antidepressiva. Dafür hat sich die Marketing-Abteilung die Abkürzung RAAD (Rapid Acting Anti-Depressants) ausgedacht.

Das Mittel wird in Deutschland zunächst im stationären Bereich eingeführt und soll bei Patienten mit mittelgradiger bis schweren Depressionen zur Anwendung kommen. Derzeit gibt es das Mittel nur in (psychiatrischen) Krankenhäusern und für stationär aufgenommene Patienten. Die Behandlung ist teuer, offizielle Apothekenpreise gibt es noch nicht. Schätzungen zufolge kostet die Behandlung 250-350 Euro pro Anwendung (in den USA kosten 28mg Nasenspray umgerechnet 286 Euro). Vermutlich wird es im Laufe des Jahres auch bei niedergelassenen Psychiatern angeboten – in diesen Fällen ist jedoch eine Überwachung (Monitoring des Patienten) vorgeschrieben.

Mit der Behauptung einer raschen Umstimmung weckt der Hersteller eine weit verbreitete Hoffnung unter Patienten, Angehörigen und Ärzten. Bislang wird sämtlichen antidepressiven Medikamenten nachgesagt, ihre Wirkung würde erst nach zwei bis drei Wochen einsetzen. Doch die Hoffnungen des Anbieters wirken nicht sehr fundiert.

Spravato ist in den USA bereits seit 2019 zugelassen. Es gibt keine Berichte über Wunderheilungen und es ist auch nicht gelungen, das gängige Behandlungskonzept für depressive Patienten mit diesem Mittel auf den Kopf zu stellen.

Viele können sich ohnehin nicht erklären, weshalb ein altbekannter Wirkstoff aus dem Jahr 1962, der sich in chemischer Hinsicht von PCP (Angel Dust) ableitet, der massenhaft während des Vietnam Krieges als Betäubungsmittel zum Einsatz kam, danach jedoch fast nur noch von Pferde- und Kuhärzten angewendet wurde, schließlich als K.-o.-Tropfen von Vergewaltigern so berühmt berüchtigt wurde, dass die UN (die Vereinten Nationen) die Substanz auf ihrer 59. Tagung in Wien am liebsten nahezu vollständig verboten hätten –  also, wie so ein Stoff plötzlich zu einem Heilmittel gegen Depressionen mutieren konnte.

Tatsächlich hätten wir das unseren Lesern auch gerne erklärt … aber dazu fehlt uns die Fantasie – vielleicht kann das jemand aus der Marketing-Abteilung der Firma Janssen erklären? 

Trotzdem gilt: Sobald ein Heilversprechen verbreitet wird, im aktuellen Fall, soll sogar eine schnelle Heilung von Depressionen möglich sein, wollen viele Menschen diese neuartige Behandlungsmethode erhalten – entweder für sich oder für ihre Angehörigen.

Und an dieser Stelle treten die Krankenkassen häufig auf den Plan.

Fast immer sagen sie: „Nein“.

Und warum?

Die Wirkung:

Die angefertigten Studien haben gezeigt: Spravato wirkt nur selten … ist aber ganz schön teuer:

„Nur in einer der 3 Studien konnte ein signifikanter Vorteil von Esketamin gegenüber herkömmlichen Behandlungsmethoden nachgewiesen werden“ Quelle: Gelbe Liste

Die Kosten:

  • Ein kleines Fläschchen Spravato beinhaltet 28mg Esketamin und kostet etwa 290 Euro.
  • Ein Fläschchen reicht für zweimal Pumpen (einmal in das rechte, dann in das linke Nasenloch).
  • Wer als Dosis 56mg verordnet bekommt, benötigt 2 Fläschchen
  • Wer als Dosis 84mg verordnet bekommt, benötigt 3 Fläschchen – das kostet dann 870 Euro.

Wer Spravato in der Kurzzeitantwendung verwendet, soll es zweimal pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen erhalten.

  • Das macht bei 28mg 8 Fläschchen und kostet etwa 2320 Euro
  • Das macht bei 56mg 16 Fläschchen und kostet etwa 4640 Euro
  • Das macht bei 84mg 24 Fläschchen und kostet 6960 Euro.

Viel Geld für einen „interessanten“ vielleicht sogar „gefährlichen“ Versuch eine Depression zu beeinflussen. Einzig und allein aus diesem “Kostendruck” verabreichen derzeit mehrere Kliniken ihren Patienten Ketamin per Infusion. Das hat denselben Effekt, kostet aber nur einen Bruchteil der Nasenspray-Anwendung. Aber die Erfahrungen sind … wer hätte das gedacht, genauso bescheiden:

Es besteht ein hohes Risiko für wahnhaftes Erleben, aus dem eine Psychose entstehen kann und die Besserung einer Depression ist oftmals bereits nach einer Nacht wieder auf dem vorherigen Niveau.

Hier finden Sie Fachinformationen zu Spravato:

https://www.arzneimitteltherapie.de/_Resources/Persistent/59bea9c351233c50859eb2276db807de2701e8c6/210222_Fachinformation%20Spravato.pdf

BfArM Leitfaden für die sichere Anwendung für Patienten (26.02.2021)https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/EducationMaterial/Anlagen/esketamin-spravato-patienten.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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