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Coronadepression – soll ich Antidepressiva einnehmen?

Eine Depression, eine Pille ... fertig?

In der Coronakrise werden vielen Menschen Antidepressiva verordnet. Aber können Medikamente helfen?

Wurde bei Ihnen eine Coronadepression diagnostiziert? Sie können sich in der aktuellen Covid-19-Pandemie für Antidepressiva entscheiden, wenn Sie darüber aufgeklärt wurden, dass diese Medikamente:

  • eine Abhängigkeit erzeugen können
  • sexuelle Fehlfunktionen verursachen können
  • Persönlichkeitsveränderungen verursachen können
  • Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Schwindelgefühle verursachen können
  • Relativ selten eine Wirkung entfalten: Man muss neun Patienten mit Antidepressiva behandeln, damit es einem Patienten besser geht, als wenn er Placebo erhalten hätte

Antidepressiva sind keine hochspezifischen Medikamente gegen Depressionen.

Obwohl seit mittlerweile über 60 Jahren antidepressive Medikamente in der Therapie von Depressionen eingesetzt werden, ist der Wirkmechanismus sämtlicher Antidepressiva nach wie vor unbekannt.

Jede Tablette und jede Tropfenlösung, die eine „antidepressive Wirkung“ entfaltet, basiert auf demselben Wirkmechanismus, auf dem auch alle homöopathischen Arzneien basieren: dem Prinzip Hoffnung.

Es gibt für sämtliche antidepressiven Medikamente keinen biochemischen Zielmechanismus, der die Erkrankung verursacht oder verändert. Die Medikamente zielen ins Leere und der verschreibende Arzt kann nicht viel anderes tun, als auf die zu erwartende Besserung zu hoffen. Das wird nicht gerne zugegeben, aber man findet im Beipackzettel von jedem Antidepressivum: „Der Wirkmechanismus ist unbekannt“ oder „für den Wirkmechanismus wird angenommen“ beide Aussagen bedeuten dasselbe.

Das ist ein großer Unterschied zu anderen modernen Arzneien, die ihre Arbeit gezielt erledigen. Beispielsweise vergrößern blutdrucksenkende Medikamente wie Diuretika den Durchmesser von Venen und Adern. Manche Diuretika steigern zusätzlich die Kochsalzausscheidung wodurch die Flüssigkeitsmenge im Körper reduziert wird. Alle diese Maßnahmen führen dazu, dass der Druck in den Blutgefäßen abnimmt.

Ein anderes Beispiel für zielgenaue Medikamente sind cholesterinsenkende Mittel, wie zum Beispiel Statine. Diese hemmen das körpereigene Enzym HMG-CoA-Reduktase. Wenn dieses Enzym normal funktioniert, stellt der Körper Cholesterin her. Wenn es blockiert ist, nehmen die Zellen verstärkt Cholesterin aus dem Blut auf. Dadurch sinkt der Cholesterin-Wert im Blut.

Antidepressiva funktionieren anders. Viele dieser Medikamente blockieren den Serotonin-Transporter SERT. Dieses Molekül transportiert Serotonin in diejenige Zelle zurück, die zuvor Serotonin ausgeschüttet hat. Das ist für Wissenschaftler ein interessanter Mechanismus, aber für die Therapie von Depressionen ist das belanglos und uninteressant, da eine Depression nicht entsteht, wenn zu wenig Serotonin vorliegt und auch nicht endet, wenn mehr Serotonin vorliegt.

Andere Antidepressiva wie zum Beispiel Tianeptin aktivieren das SERT-Molekül. Dennoch wurde Tianeptin in klinischen Versuchen als effizient beurteilt. Das klingt nicht nach einem logischen Ansatzpunkt.

Manchmal ist es besser, sich die Ursachen der aktuellen Verstimmung anzusehen. In der aktuellen Corona-Krise gibt es genug Maßnahmen, die das Leben jedes Einzelnen betreffen und eine psychische Gesundheit erschweren. Für viele erscheint das persönliche Leben weniger Lebenswert. Tatsächlich hat die Politik weitreichende Befugnisse per Beschluss angeordnet.

Dazu gehört auch das Verbot Freunde zu treffen. Das ist für Menschen in einer Krise nicht akzeptabel und kann sogar gefährliche Entwicklungen fördern.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie in dieser Zeit nicht die Zuversicht verlieren. Auch diese Krise wird enden. Grundsätzlich raten wir zu einer Vorsicht im Umgang mit Antidepressiva, zu oft haben wir erlebt, dass es bei Patienten hieß: einmal Antidepressiva –> immer Antidepressiva.

Im zweiten Teil werden wir Alternativen vorschlagen, die Sie stattdessen ausprobieren können.

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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