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Versagen in der Behandlung depressiver Patienten

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Immer mehr Menschen werden wegen Depressionen behandelt. Anstelle einer Verbesserung der Situation zeigt sich jedoch eine Verschlechterung.

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DAK Studie: Steigerung der Fehltage um 165 Prozent
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DAK Studie: 42 Prozent der Fehltage wegen Depressionen
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DAK Studie: Verdoppelung der Behandlung von Patienten mit psychischen Problemen
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GBE (Deutsche Rentenversicherung): Verdoppelung der Frühberentungen aufgrund von depressiven Störungen

Immer mehr Fehltage und immer mehr Frühberentungen aufgrund von Depression – obwohl noch nie zuvor so viele Menschen wegen Depressionen behandelt wurden

Der DAK Gesundheitsbericht von 2013 zeigt:

  1. Von 1997 bis 2012 haben sich die Fehltage von Arbeitnehmern mit psychischen Erkrankungen mehr als verdoppelt. Die Zahl der Fehltage stieg um 162 Prozent.
  2. 42 Prozent der Fehltage im Jahr 2012, wegen psychischer Probleme, hatten die Ursache: Depressionen.
  3. Von 2004 bis 2012 hat sich die Anzahl der Beschäftigten mit psychischen Problemen von 15,3 Prozent auf 28,6 Prozent verdoppelt.

Noch alarmierender sind die Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherung.

  • Sie zeigen eine Verdoppelung der Frühberentungen aufgrund von depressiven Störungen im Zeitraum von 2000 auf 2010.

Die Zahlen dokumentieren ein Versagen in der Behandlung von depressiven Patienten. Mit den aktuell angewendeten Methoden werden immer mehr behandlungsbedürftige Depressionen erzeugt und auf lange Sicht werden immer mehr depressive Menschen dauerhaft arbeitsunfähig.

Das gegenwärtige Therapiesystem ist ineffizient und muss reformiert werden. Die aktuellen Therapieempfehlungen basieren auf Studien, in denen Besserungen nach 6 bis 8 Wochen überprüft werden. – Also bevor die Depression vollständig abgeklungen war.

Zahlreiche neuere Langzeitstudien zeigen stattdessen, dass es depressiven Patienten auf lange Sicht besser geht, wenn sie anders behandelt werden. Dies zeigen mehrere WHO-Studien, die die Situation von depressiven Patienten in Europa und den USA mit der Situation von depressiven Patienten in weniger entwickelten Ländern verglichen, in denen nicht alle Patienten einen Zugang zu antidepressiven Medikamenten haben.

Das derzeit angewendete System (die Leitlinie) nach der depressive Störungen behandelt werden, bedarf dringend einer Überarbeitung, da sie den Patienten und Ärzten suggeriert, dass antidepressive Medikamente gezielt auf die depressive Biochemie des Gehirns wirken. Tatsächlich ist jedoch bereits seit längerem bekannt, dass die Wirkung von Antidepressiva zum allergrößten Teil auf einem Placeboeffekt basiert.

Ganz offensichtlich muss diese Aufklärungsarbeit nicht nur bei Patienten und Angehörigen, sondern auch bei Ärzten geleistet werden, da viele noch immer davon ausgehen, dass Antidepressiva die Besserungen bei depressiven Patienten verursachen und dass die individuellen Probleme der Patienten deshalb nicht erörtert werden müssen.

Es zeigt sich, dass mit der aktuell angewendeten Methode das Problem nur auf die nächste Depression verschoben wird. Gefährlich erscheint zudem die subtile Botschaft an den Patienten: Wenn Dir die Tabletten nicht helfen, bist du ein Therapieversager, bzw. dann gibt es keine Möglichkeit deinem kranken Gehirn zu helfen. [Anmerkung: Die Forschung zeigt, dass jedes Gehirn eine individuell unterschiedliche Biochemie besitzt. Die Wirkung von Antidepressiva ist daher nie vorhersehbar und tritt ohnehin nur bei 30 Prozent der behandelten Patienten zufriedenstellend ein].

Dabei zeigt die Geschichte der Depression, dass auch Patienten, die nicht-medikamentöse Therapieverfahren erhielten, gesundeten.

Für eine dauerhafte, langfristige Besserung erscheint es dringend nötig, gemeinsam mit dem depressiven Patienten individuelle Strategien zu entwickeln, die ihm helfen besser mit den Problemen umzugehen, die bei dem Patienten die depressive Störung hervorgerufen haben.

Es mag sein, dass eine solche Therapie auf den ersten Blick kostspieliger erscheint, als der Griff zum „Rezeptblock“. Wenn jedoch die Alternative eine Frühberentung darstellt, sollte auf jeden Fall der Versuch unternommen werden.

 

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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