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Die nackte Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Märchen für das Volk

Grafik Deutsche Depressionshilfe

Grafik der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Quelle

Wenn Fachleute die Öffentlichkeit in die Irre führen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veralbert ihre Klienten. In einer neuen Kampagne behauptet die Organisation unter anderem: Antidepressiva … wirken gezielt gegen die in der Depression gestörten Funktionsabläufe im Gehirn.

Das widerspricht dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung: Kein Forscher weiß, welche Funktionsabläufe bei einer Depression gestört sind. Die Biochemie der Depression ist trotz jahrzehntelanger Forschung unbekannt. Aus diesem Grund haben sich auch alle großen Pharmafirmen aus der Depressionsforschung zurückgezogen (Link).

Tatsächlich wurden sämtliche Theorien über die biochemische Ursache einer Depression schon vor langer Zeit durch die Methoden der modernen Gehirnforschung widerlegt (Serotonin, CRH, BDNF, Interleukine – oder auch Genetik, alle Hypothesen wurden nachgemessen und widerlegt).

Der zweite Widerspruch gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen: Unter dem Etikett „Antidepressiva“ sind allerlei Substanzen zusammengefasst, die keinerlei biochemische Gemeinsamkeit aufweisen.

Ein Mittel wie Bupropion wirkt an ganz anderen biochemischen Zielmolekülen als Citalopram oder Tranylcypromin – aber alle sollen „gezielt“ gegen die in der Depression gestörten Funktionsabläufe wirken. Wie kann das sein?

Wenn man zum Beispiel annehmen würde, die Serotoninkonzentration im Gehirn von depressiven Patienten wäre zu niedrig und müsste erhöht werden – dann müsste ein „Experte“ erklären können, weshalb ein Mittel wie Tianeptin, das die Serotoninkonzentration absenkt (!) genauso effizient als Antidepressivum wirken soll, wie ein Mittel, das die Serotoninkonzentration anhebt (alle SSRIs).

Kommen wir zum Punkt: „Depression hat auch immer biologische Ursachen.“ – Was möchten die „Experten“ der Deutschen Depressionshilfe damit aussagen? Wenn wir diese Aussage mal mit dem Beispiel Herzinfarkt veranschaulichen, dann weiß jeder Mensch: In einem Streit können sich manche Menschen so intensiv aufregen, dass sie einen Herzinfarkt erleiden. Der Herzinfarkt wurde in einem solchen Fall von einem heftigen Streit ausgelöst (also einer primär psychischen Ursache) und hat davon ausgehend körperliche Entsprechungen nach sich gezogen. Aber – und das ist der Unterschied zu einer Depression – ein Herzinfarkt kann auch aus rein körperlichen Ursachen entstehen – wenn die funktionellen Bedingungen im Herzen geschädigt sind (Fehlerquellen: Herzmuskel, Herzklappe, Arterien, etc.).

Bei Depressionen hat man zwar eine körperliche Entsprechung, die eindeutig sichtbar ist, wenn der Mensch depressiv ist – aber es gibt noch nicht mal den Hauch einer Idee über eine körperliche oder biochemische Ursache einer depressiven Verstimmung.

Aber genau diese Information versucht die Deutsche Depressionshilfe zu verschleiern. Sie hat sich stattdessen entschieden, das Gegenteil zu behaupten und spielt sich als „Experte“ auf, der die „Antworten“ kennt. Damit verhöhnt die Stiftung Menschen, die ehrliche Fragen stellen. Sie verhält sich wie die Schneider im Märchen: Des Kaisers neue Kleider. Diese behaupten die edelsten Kleidungsstücke zu nähen. Aber sie nähen nicht und verwenden keinen Stoff. Sie erzählen stattdessen Märchen. Der Kaiser ist dadurch nackt und alle Menschen, die sich die Meinung dieser Experten aneignen, sind ebenfalls nackt. Es wird Zeit, dass ein unbefangener Mensch darauf aufmerksam macht.

Und wie geht die Stiftung mit der Nachricht um, dass 78 Prozent der Menschen (Quelle: Machen Antidepressiva abhängig Deutschland-Barometer 2017),  die Erfahrung machen „Antidepressiva verursachen eine Abhängigkeit“? Das wird verleugnet. Es ist eine erbärmliche ärztliche Haltung, Patienten das persönliche Leidempfinden abzusprechen.

Das ist nicht nur schäbig, sondern gleichzeitig irritierend, denn eigentlich geht es hier um eine Kernkompetenz der Depressionshilfe, Nach eigenen Angaben wurde diese Organisation gegründet, um Menschen mit Depressionserfahrungen zu entstigmatisieren. Das ist lobenswert, aber weshalb sie im gleichen Atemzug mit harten Bandagen dafür kämpft Menschen mit Absetzerfahrungen zu diffamieren und diskriminieren, bleibt wohl eines der großen Geheimnisse dieser Stiftung.

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Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

3 Kommentare

  • Herr Ansari,
    als ehemalig Betroffener kann ich aus Ihrem Artikel nur einen Schluss ziehen:
    Es mangelt Ihnen schlicht an Kompetenz um sich zu dem Thema einzulassen.
    Und Andersdenkende als Zitat: – schäbig- zu diffamieren, zeugt von Intoleranz und Kleingeist. Aber im Internet darf heute jeder User seine Weisheiten kund tun. Thema verfehlt – setzen …

    • Im Internet darf aber zum Glück auch jeder über seine Erfahrung mit sog. „Antidepressiva“ berichten, während Ärzte einen damit nicht ernst nehmen und sagen: „Nein, das kommt nicht von dem Medikament, ihre Grunderkrankung ist zurück“. Wenn es nach dem Arzt geht, der mir Mirtazapin verschrieben hat, sollte ich jetzt gleich das nächste Psychopharmakon ausprobieren. Und das, obwohl mein Psychotherapeut bestätigte, dass meine depressive Episode vorbei ist. Nein danke! Keine weiteren Experimente mehr an mir! Meine Depressionen sind bislang immer ohne Medikamente verschwunden. Und ich erkenne mich in vielem, was Herr Ansari schreibt, wieder. Wenn jemand das Thema verfehlt hat, sind es Ärzte, die einem das Märchen von der gestörten Hirnchemie erzählen. Mir hat man auch gesagt, die Nebenwirkungen würden in wenigen Tagen bis Wochen verschwinden. Blödsinn! Die sind noch ein halbes Jahr nach Ausschleichen nicht verschwunden. Dieses Zeug hat mir meine Lebensqualität geraubt. Und das auch noch, ohne die geringste Wirkung auf die Depression zu haben.

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