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Der Germanwings Jahrestag und die Gefahr von SSRI-Antidepressiva

Der zweite Jahrestag GermanWings

Warum hat der Pilot Andreas Lubitz die GermanWings Maschine am 24. März 2015 abstürzen lassen. Die Eltern können es sich nicht erklären und kein Experte hat ihnen die wahrscheinlichste Ursache erklärt: Möglicherweise hat das SSRI-Medikament eine Persönlichkeitsveränderung verursacht.

Der zweite Jahrestag GermanWings

Zwei Jahre nach dem Absturz und ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Medikation des Piloten gibt es noch immer keine Debatte über die mögliche Rolle des SSRI-Medikaments. Obwohl 3sat bereits vor einiger Zeit drüber berichtet hat: nano: Oerlinghausen

Im Interview mit der Zeit (Link) erklärt der Vater von Andreas Lubitz sein Unverständnis: „Unser Sohn ist nicht der Mensch gewesen, den die Boulevardpresse aus ihm gemacht hat.“ Der Vater bestreitet, dass sein Sohn vorsätzlich gehandelt hat und beschreibt ihn als verantwortungsbewussten Menschen. Als solcher hätte er unmöglich einen Flugzeugabsturz mit 150 Toten herbeiführen können. „Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit.

Vermutlich hat der Vater recht. Vermutlich ist Andreas Lubitz immer genau so gewesen, wie er ihn beschrieb. Demnach muss er zum Zeitpunkt der Katastrophe nicht im Vollbesitz seiner Sinne gewesen sein. Es ist gut möglich, dass er nicht verantwortlich gewesen ist, für die Dinge, die er tat.

Es ist zu diskutieren, ob das SSRI-Medikament Escitalopram, das er einnahm eine Wesensveränderung bei ihm bewirkt hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Antidepressivum dieser Klasse jemanden zu Taten verleitet hat, die für ihn persönlichkeitsfremd sind.

Schon mehrfach gab es Gerichtsurteile, in denen entschieden wurde, dass die Hauptschuld für die Tat des Beschuldigten bei dem Medikament zu finden sei. Die Gerichte entschieden, dass das SSRI-Antidepressivum eine Persönlichkeitsveränderung verursacht hat und urteilten, dass der Hersteller des Medikaments eine hohe Schadensersatzsumme zahlen musste.

Der bekannteste Fall ist der sogenannte Tobin-Case, bei dem den Hinterbliebenen 6,4 Millionen Dollar zugesprochen wurde. Die Firma GlaxoSmithKline musste zahlen (Link).

Im Fall von Andreas Lubitz müsste der Medikamenten-Hersteller Lundbeck zittern. Denn wenn ein Gericht entscheiden würde, dass das Medikament eine Mitschuld trägt, dürfte sich dies sehr negativ auf die Gewinnprognosen der Pharmafirma auswirken. Es geht um viel Geld.

Doch tatsächlich muss am Stammsitz des Unternehmens, niemand Angst haben. Denn es gibt in Deutschland keine Diskussion über mögliche gefährliche Nebenwirkungen von Antidepressiva. Alle „verantwortungsbewussten Meinungsführer“ bezeichnen SSRI-Medikamente als „Lebensretter“, die gut verträglich sind und nicht abhängig machen. Persönlichkeitsveränderungen werden vehement bestritten. Kritiker werden ignoriert und diffamiert. Zuletzt wurde bekannt, dass die Lufthansa die Verantwortung auf sich genommen hat und die Schmerzensgeldzahlungen alleine geschultert hat. Es bleibt also alles genau so, wie es war.

Doch die Fakten sprechen dagegen: An jedem fünften Flugzeugabsturz waren SSRI-Medikamente beteiligt (Link).

Depression-Heute: Auch zwei Jahre nach dem Absturz und ein Jahr nach dem Bekanntwerden der tatsächlichen Medikation des Piloten ändert sich die Berichterstattung nicht. Der Beschuldigte ist tot und die Frage nach dem Warum bleibt lieber ungeklärt. Obwohl 3sat nano bereits vor einiger Zeit darüber berichtet hatte: 3sat nano: SSRI-Medikamente
Persönlichkeitsveränderung

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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