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Hormonstörungen als Ursache für Depressionen?

Hormone Gehirn

von Gastautorin Elisabeth Buchner

Bei psychischen Störungen muss immer die Frage nach den Ursachen gestellt werden, denn darauf muss die Therapie ausgerichtet sein. Wer nur ein Symptom wie zum Beispiel massive Stimmungsschwankungen medikamentös unterdrückt, betreibt bestenfalls eine vordergründige Akutmaßnahme.

In diesem Artikel soll beleuchtet werden, welche Hormone auf unsere Psyche Einfluss nehmen und wie eine behutsame Hormonregulation als Teil einer ganzheitlichen Therapie bei Depression eingesetzt werden kann.

Hormoneinfluss auf unsere Psyche

Hormone haben nicht nur Einfluss auf unsere Fortpflanzung sondern der komplette Stoffwechsel, unsere Gehirn- und Organfunktionen sind abhängig von einem fein abgestimmten Hormongleichgewicht. Körperzellen in allen Muskeln und Knochen warten auf die Botschaften der Hormonimpulse. Auch unsere Gefühlswelt ist eng verknüpft mit unserer Hormonausschüttung.

Folgende Hormone haben Auswirkungen auf die Psyche:

  • Schilddrüsenhormone T3 + T4
  • Estradiol
  • Progesteron und alle seine folgenden Neurosteroide
  • Testosteron
  • Blutzucker-Regulierungshormone
  • Cortisol
  • Prolaktin
  • Glycin
  • γ-Aminobuttersäure
  • Glutamat
  • Monoamine (Noradrenalin und Adrenalin, Dopamin, Serotonin, Melatonin, Histamin)
  • Adenosin und ATP
  • Cannabinoide
  • Neuropeptide (Substanz P, Oxytocin, Vasopressin, CRF, Somatostatin, etc.)
  • Opioide (Endorphine, Enkephaline und Dynorphine)

Die Hormone DHEA, LH und FSH sind indirekt als Vorstufen- bzw. Stimulierungshormone der oben genannten Hormone beteiligt.

Synthetisch veränderte Hormone als Auslöser für Depression und Ängste?

Viele Frauen klagen über psychische Folgen einer hormonellen Geburtenregelung. Die darin verwendeten Wirkstoffe unterscheiden sich sehr von den körpereigenen Hormonen. Das kann sich u.a. auch in der Psyche bemerkbar machen. Ganz besonders betrifft das Frauen, die durchgehend ein Gestagenderivat benutzen – sei es über eine Hormonspirale, ein Hormonstäbchen oder eine Minipille. Wer den Beipackzettel aufmerksam liest, wird dort meistens fündig. Die Derivate einer hormonellen Verhütung verdrängen die körpereigene Hormonausschüttung. Nicht jede Frau nimmt das gleich wahr. Im Speichel-Hormontest ist das aber meistens sehr schön erkennbar.

Beobachtungen aus Forschung und Praxis

  • Bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckte die britische Ärztin Frau Dr. Katarina Dalton, dass bei einem Großteil der von ihr untersuchten Patienten einer psychiatrischen Klinik Hormonunregelmäßigkeiten vorlagen. Ganz besonders betraf das Frauen, die nach einer Geburt mit einer Depression oder massiven seelischen Not zu kämpfen hatten.
  • Der Heidelberger Arzt und Professor Dr. Hotze fand heraus, dass bei vielen Patienten mit Depression ein Zusammenhang mit T3-Mangel (Schilddrüsenhormon) vorlag.
  • Durch die Arbeit der Hormonselbsthilfe und dem daran angeschlossenen Fachkräftenetzwerk haben wir mit vielen Fällen zu tun, die diese Erkenntnisse bestätigen. Durch Testung der Hormone im Speichel, ist es noch viel leichter, schon im Ansatz solche Hormonverschiebungen nachzuweisen.
  • Diabetes-Spezialisten berichten häufig über die Gefahr einer Depression bei Unterzuckerung (z.B. durch zu hohe Insulingaben). Dies steht zwar im Gegensatz zu den Warnungen vor einem zu hohen Blutzucker-Spiegel. Es zeigt jedoch, dass das Gegenteil besonders gravierende Auswirkungen auf den Gefühlsbereich haben kann. Wir sehen darin den Grundsatz bestätigt: Zu viele Hormone sind genauso bedenklich wie zu wenige!
  • Veröffentlichungen in den USA betonen die möglichen Folgen einer Estradiol-Dominanz – u.a. auch für die Psyche. So eine Dominanz entsteht immer dann, wenn durch Pflegeprodukte, Kosmetika, Lebensmittel oder Medikamente ein zu hohes Verhältnis von Estradiol zum Testosteron und Progesteron vorliegt.

„Domino-Effekt“ im Hormonbereich

Da die Schilddrüse sehr sensibel auf die Hormone der Eierstöcke und der Nebennieren reagiert und deren Animation braucht, gibt es manchmal einen „Domino-Effekt“ von einer Hormonschwäche zur nächsten. Eine Hormonschwäche oder ein Hormonungleichgewicht hat meistens Einfluss auf andere Hormonbereiche. Die Hormonbereiche funktionieren in mancher Hinsicht wie ein Zahnradwerk, sie bedingen sich gegenseitig und sind voneinander abhängig. Das zwingt uns manchmal zu einer Art Detektivarbeit, was denn die tatsächliche, zuunterst liegende Ursache sein könnte. Je mehr wir über die Patienten wissen, umso leichter sind solche Fragen zu beantworten.

Körperliche oder psychische Schwäche wird gerne einem Burn-out oder einer Depression zugeordnet. Theoretisch kann es sich aber auch um Folgen einer gestörten Teamarbeit (Domino-Effekt) im Hormonsystem handeln, in der eine Schwäche von entweder Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren oder Eierstöcke / Hoden zu wenig Animation für die anderen Hormondrüsen liefert. Welche Drüse zuerst betroffen war, ist im Nachhinein nicht immer zu klären. Beispiel: Erschöpfte Nebennieren (durch langfristige Überforderung im Alltag) schaffen nicht mehr die normale Cortisol-Ausschüttung. Da die Schilddrüse aber die Cortisol-Animation braucht, wird sie ohne diese Unterstützung auch weniger arbeiten. Das hat zur Folge, dass noch weniger Energie zur Verfügung steht und Antriebsschwäche zum Alltag gehört.

Bei den verschiedenen Formen und Symptomen einer Depression, sehen wir deshalb fast immer unausgewogene Hormonverhältnisse der Betroffenen.

Behutsame, naturgemäße Hormonregulation bei psychischen Störungen

Je nach Ursache und Dauer der psychischen Störung, muss zusammen mit Fachkräften oder geschulten Begleitern ein individueller „Fluchtplan“ aus der „Abhängigkeitsdrehtür“ gestaltet werden. Die ersten Schritte sollten sich u.a. auch mit den möglichen Zusammenhängen im individuellen Fall beschäftigen. Nicht alles ist vermeidbar. Aber vielleicht lässt sich das Eine oder Andere leichter umsetzen, als man zunächst befürchtet. Die Macht der Gewohnheit in Kombination mit Antriebsschwäche scheint schwer überwindbar zu sein. Daher ist eine fachliche und verständnisvolle Begleitung mit Ermutigungsfunktion für die ersten Schritte am Anfang sehr hilfreich.

Welche Schritte man zuerst geht und welche später, kann man gemeinsam mit einem Therapeuten oder Begleiter entscheiden. Wir empfehlen, mit den einfachsten Schritten zu beginnen, wie z.B.:

Erste Schritte:

  • Licht, Licht, Licht! Tageslicht veranlasst eine bessere Hormonausschüttung und Bewegung ebenso. Die Sauerstoffversorgung ist ebenso sehr wichtig für die Kraft unserer Zellen! Wenn irgend möglich, so früh wie möglich im Tageslicht an frischer Luft bewegen.
  • Sorgfältig, vielseitig, ausgewogen und dankbar essen. Dabei auf eine gesunde Darmfunktion achten. Der Darm gehört zu den hormonbildenden Organen! Gleichzeitig ist unsere körpereigene Hormonversorgung auf Nachschub von Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen angewiesen. In manchen Nahrungsmitteln sind sogar körpereigene Hormone enthalten.
  • Hautpflegeprodukte auf hormonwirksame Inhaltstoffe überprüfen und bei Verdacht umsteigen auf unbedenkliche Produkte. Dazu zählen z.B. viele Sonnencremes oder „reichhaltige“ Kosmetika.
  • Typische Appetite können entsprechendem Nährstoffmangel zugeordnet werden. Beispiel Milchschokolade: Sie enthält Tryptophan Magnesium und die im Milchkonzentrat enthaltenen, natürlichen Hormone. Appetite sind deshalb ein hilfreiches Indiz für kundige Hormonberater.
  • Darm- und Leber-Therapie (hier gibt es einfache und kostengünstige Hilfen aus der Naturheilkunde)

Weitere Schritte

  • Mögliche Nebenwirkungen der bisher eingenommenen Medikamente abfragen. Viele Arzneien wie z.B. Psychopharmaka, Blutdruck- und Cholesterinsenker haben auf die Schilddrüsenfunktion oder die körpereigene Hormonregulierung eine nachteilige Wirkung. Das gilt leider auch für Antibiotika, manche pflanzliche Produkte und Medikamente für Geburtenregelung oder Hormonersatztherapie.
  • Das Berufs- und Tätigkeitsfeld kann ebenso eine entscheidende Rolle für unsere Hormonausschüttung haben. Flughafenpersonal, Wechsel-Schichtarbeit, Chemikalien, alle Berufe mit Schmieröl-, Lack- und Farbkontakt, Nagelstudio-Personal, Friseure u.v.m. sind prädestiniert für unbewusste Hormoneinflüsse. In dieser Hinsicht sind bessere Schutzmaßnahmen vor Dämpfen und Hautkontakt zu prüfen.
  • Diagnostische Hilfen hinzunehmen. Je nachBeobachtung und Verdacht, mögliche Tests durchführen lassen. In dieser Hinsicht sind Wissen und Erfahrung einer begleitenden Fachkraft vorteilhaft.

Naturgemäße, behutsamen Regulation

Eine Person mit ausgewogener Hormonversorgung ist deutlich weniger anfällig für psychische Schwankungen. Daher ist es ein großer Schritt vorwärts, wenn für eine naturgemäße Hormonversorgung gesorgt wird. Aber Depression kann auch andere Ursachen haben. Manchmal sind psychische Symptome die Folge von einem problembeladenen Alltag, traumatischen Erfahrungen oder eines schädigenden Medikaments.

Daher muss vor der Regulation die möglichst genaue Anamnese als Grundlage für die Regulation dienen. Entsprechend der Anamnese, Testergebnisse und Beobachtungen sollten die fehlenden Nährstoffe oder Hormone ausgeglichen werden und Traumata ausgesprochen und verarbeitet werden.

  • Nahrungsmittel und Nährstoffe gezielt nach Bedarf einsetzen oder meiden.
  • Natürliche Hormonregulation: Für den Ausgleich eines Hormonmangels gibt es sehr behutsame Anwendungsformen die entweder innerlich eingenommen oder auf die Haut aufgetragen werden. Einiger dieser Hilfen sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Ab einer bestimmten Dosierung der Hormonwirkstoffe ist ein ärztliches Rezept notwendig. Idealerweise stellt die Apotheke die Hormonanwendung nach individueller Rezeptur selber her. 
  • Auch aus dem Pflanzenbereich gibt es eine Vielzahl an wirksamen Therapeutika für seelische Nöte.

Wer sich bei Fragen zum Thema Hormongleichgewicht an eine darin geschulte Fachkraft wenden möchte, der findet unter www.hormonselbsthilfe.de viele Kontaktadressen.

Psychische Not kann (wie alle Krisen) auch eine positive Kehrseite haben: Wir sind vielleicht williger geworden, unsere Lebensgewohnheiten, Familien-Dogmen, Prioritäten, (Vor-)Urteile, Nahrung

und Diagnosen neu zu überdenken. Vielleicht spüren wir dem nach, in welche sinnvollen Ordnungen wir hineingestellt wurden. Was brauchen Körper und Seele um gesund funktionieren zu können?

Diese einfachen Fragen haben wir vielleicht weitgehend aus den Augen verloren. So können Krisen zur Tür in neue Lebensräume hinein werden.

Hormondiagnostik bei psychischen Nöten

Wie vorausgehend dargestellt, haben Hormone eine sehr große Bedeutung für unser psychisches Gleichgewicht. Bei einer dauerhaften Symptomatik im psychischen Bereich ist eine Überprüfung der körpereigenen Hormonausschüttung sinnvoll.

Je nach Hormonart sind unterschiedliche Arten von Hormontests geeignet. Zur Untersuchung von Schilddrüsenhormonen, Prolaktin, Blutzucker (und Adrenalin) wird eine Blutprobe benötigt. Diese Untersuchung kann über jeden Hausarzt und auch von manchen Heilpraktikern durchgeführt werden.

Für die meisten Geschlechtshormone (Steroide), das Schlafhormon Melatonin und das Stresshormon Cortisol eignet sich eine Speichelprobe als Probenmaterial am besten, da diese Testform ausschließlich die sogenannten „freien Hormone“ abfragt. Ein solcher Speichel-Hormontest wird in der Regel jedoch nur von darin geschulten Fachkräften angeboten bzw. kann auch in Eigeninitiative durchgeführt werden. Wir empfehlen den Weg über die Fachkraft, da der Nutzen dieses Tests maßgeblich von einer sinnvollen Testgestaltung und Durchführung abhängt. Wer hier nicht individuell angeleitet wird, kann so manchen Test umsonst machen oder von irreführende Ergebnisse verunsichert werden.

Was zahlt die Krankenkasse?

Voraussetzung für die Kostenübernahme für eine Hormonuntersuchung von der Krankenkasse ist die Verordnung einer med. Fachkraft. Doch auch dann ist nicht gesagt, dass die Kasse die Kosten erstattet. Gesetzliche Krankenkassen zahlen diese Untersuchungen nur selten, was leider den Einsatz einer gründlichen Diagnostik erschwert. Bei den Privaten Kassen ist entscheidend, ob Leistungen der Alternativmedizin im individuellen Vertrag enthalten sind. Wenn die Entscheidung für die Durchführung eines Hormontests von der Kostenerstattung abhängt, sollte man sich in jedem Fall vor der Untersuchung bei seiner Krankenkasse informieren.

Schlussbemerkung

Was in der einzelnen Fallgeschichte tatsächlich aus der Depression hilft, ist immer von den jeweiligen Ursachen abhängig. Selten sehen wir nur eine einzige Ursache. Sind die Ursachen oder Verstärker einer Erkrankung gefunden, dann ist es für eine Fachkraft sehr viel einfacher, geeignete Therapieansätze zu zeigen, die aus der Krankheit oder Schwäche herausführen.

Elisabeth Buchner
Elisabeth Buchner

Weiterführende Links:

www.Hormonselbsthilfe.de

Depression-Heute: Elisabeth Buchner ist kritischen Lesern bereits seit dem Jahr 2009 bekannt. Damals veröffentlichte sie im Familienverlag Buchner das Whistleblower Buch „Nebenwirkung Tod“ des ehemaligen Eli Lilly Managers John Virapen. Dieses Buch war das erste deutschsprachige antidepressiva-kritische Buch. Der Autor des Buches beschreibt darin die geheimen Machenschaften um die Zulassung von Prozac (Fluoxetin). Er reiht dabei einen medizinischen Skandal an den nächsten, an vielen war er persönlich beteiligt. Wer zuvor dachte, Wissenschaft wäre eine edle Tätigkeit und die berühmtesten medizinischen Forscher hätten ihre Positionen durch Können und Exzellenz erhalten, erfährt, dass sich Pharmaunternehmen gezielt Meinungsführer „heranzüchten“, auf die sie bei Skandalen zuverlässig zurückgreifen. Der Meinungsführer glättet dann die Protestwellen, lässt sich von Zeitungen und Magazinen interviewen und kurze Zeit später werden Leute wie John Virapen losgeschickt, um diesem „exzellenten Wissenschaftler von tadellosen Ruf“ einen mit Scheinen gefüllten Briefumschlag zu überreichen.

Als das Buch veröffentlicht wurde, hielten viele Leser die Aussagen von Virapen für übertrieben. Tatsächlich haben spätere Gerichtsurteile seine Aussagen bestätigt. In der aktuellen Auflage wird Nebenwirkung Tod bei Jim Humble verlegt.

Über den Autor

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