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Die Serotonin-Hypothese wurde 1987 widerlegt

1987 starb die Serotonintheorie

Ist eine Depression eine Erkrankung, die ausbricht, wenn der Serotoninwert im Gehirn besonders niedrig ist? Obwohl viele Psychiater das immer noch behaupten, haben Wissenschaftler die Theorie bereits 1987 widerlegt. Das ist mehr als 30 Jahre her …

Fast alle Antidepressiva setzen am Serotonin an. Das Ziel der Medikamente ist: Die Serotoninkonzentration im Gehirn zu erhöhen – Aber wozu?

Als die Serotonin-Theorie widerlegt wurde, bestand kein Interesse, dieses Wissen zu verbreiten.

Im Jahr 1987 veröffentlichte die dänische Forscherin Annette Gjerris eine Arbeit, in der sie die Serotoninkonzentration im Gehirn von depressiven Patienten gemessen hatte. Sie hatte die Werte während der Depression und nach der Gesundung ermittelt und mit den Werten von gesunden Personen verglichen. Dabei zeigte sich (Link):

1. Depressive Patienten hatten höhere Serotoninwerte, als die gesunden Vergleichspersonen.
2. Während der Genesung erhöhte sich der Serotoninwert der depressiven Patienten nicht.

Die Arbeit ist über 30 Jahre alt und war zu diesem Zeitpunkt die wichtigste Widerlegung der Serotoninhypothese.

Viele Forscher haben danach immer wieder versucht einen Zusammenhang zwischen wenig Serotonin und einer Depression zu konstruieren. Für die Pharmahersteller war das sehr wichtig, denn sie verkaufen Serotonin-steigernde Medikamente als zielgenaue Mittel, mit denen eine Depression beendet werden soll. Doch dieser Nachweis gelang nie. Stattdessen häuften sich Ergebnisse, die die Theorie widerlegten. Eine der umfangreichsten Arbeiten legten deutsche Forscher vor. Sie maßen im Jahr 1996 bei 207 Menschen den Gehirnstoffwechsel (Link). Ergebnis:

1. Depressive Patienten haben nicht weniger Serotonin im Gehirn als „normale“ Menschen.

Als die Messtechniken in der Gehirnforschung besser wurden, entstanden immer mehr Arbeiten, die den behaupteten Zusammenhang zwischen Serotonin und Depressionen widerlegten. Auch gentechnische Untersuchungen fanden keinen Zusammenhang zwischen Genen für das Serotonin-Transporter-Gen und Depressionen (Link).

Ab 2000 kamen bildgebende Verfahren (PET) ebenfalls zu dem Ergebnis, dass eine Veränderung des extrazellulärem Serotonin keinen Einfluss auf eine Depression hat (Link).

Zuletzt hatten Forscher mit gentechnischen Methoden Mäuse gezüchtet, die gar kein Serotonin im Gehirn hatten. Als sie bei diesen die Tests anwendeten, die Pharmaunternehmen für antidepressive Medikamente anwenden – zeigten die Mäuse keine „Depression“ (Link).

Depression-Heute: Die „zu-wenig-Serotonin-Theorie“ wurde immer wieder widerlegt, aber die zugehörigen Medikamente werden immer noch millionenfach verschrieben, häufig sogar „lebenslang“. Zurück bleiben Patienten, die mit schrecklichen Nebenwirkungen belastet werden und die ein Medikament einnehmen müssen, dass keine biochemische Wirkung auf ihre Depression hat.

Wenn Psychiater funktionieren würden, wie eine Autowerkstatt, dann würden sie noch vor der Inspektion behaupten, die Bremsen und der Auspuff müssten erneuert werden, sonst würde es die TÜV Plakette nicht geben. Kurze Zeit später würden die „Kunden“ dann ihr Auto mit der neuen TÜV-Plakette abholen, aber bemerken, dass weder Bremse, noch Auspuff erneuert wurden. Auf der Rechnung wäre zu lesen, dass es lebenswichtig ist, mit Bremsen zu fahren und der Betrag für die Reparatur wäre in voller Höhe aufgeführt.
In der „wirklichen Welt“ würde sich die Leistung dieser „Werkstatt“ schnell herumsprechen. – Aber in der Psychiatrie glaubt der Patient dem Arzt. Und der  geht mit diesem Vertrauen nicht verantwortungsvoll um.

Warum hat der Arzt behauptet, ich solle mein gesamtes weiteres Leben serotoninsteigernde Mittel einnehmen? Das fragen sich heute viele Patienten.

Kann man Wissenschaftlern vertrauen? Die hier aufgeführte Arbeit von Gjerris wurde 59 Mal von anderen Wissenschaftlern zitiert. Angesichts eines Zeitraums von 30 Jahren ist das sehr, sehr wenig. Ganz andere Werte erreicht die Arbeit von Marie Asberg von 1976 (hier). Asberg hat in dieser Arbeit behauptet, dass ein niedriger Serotonin-Wert eine bedeutende Rolle bei der Ausbildung von Depressionen spielt. Über 1700 Mal haben Wissenschaftler ihre Arbeit zitiert – obwohl später festgestellt wurde, dass die Arbeit methodisch unsauber ist und die Schlussfolgerungen daher falsch sind (Link).

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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