Irrtum: Studien beweisen die Wirksamkeit von Antidepressiva

Die Behauptung: "Studien beweisen die Wirkung von Antidepressiva"

"Antidepressiva wirken gezielt auf die Veränderungen des Hirnstoffwechsels ein, die mit der Depression einhergehen" Quelle: PAL Verlag.

Effektive Medizin hat Erkrankungen wie Kinderlähmung und Masern nahezu ausgerottet. Depressionen werden hingegen immer häufiger behandelt, aber es gibt nicht weniger depressive Patienten. Ein Blick in die Psychiatrien Deutschlands zeigt, dass – trotz der Verfügbarkeit und Anwendung von Antidepressiva - sehr viele Menschen dauerhaft unter Depressionen leiden. Zahlreiche Fachbücher beschreiben das Phänomen der therapieresistenten Depressionen.

Nur ein Drittel der Patienten profitiert von der antidepressiven Medikation. Genauso hoch fällt die Besserungsrate bei placebo-behandelten Patienten aus.

Gibt es überhaupt Studien, die eine hohe Wirksamkeit von Antidepressiva belegen?

Nein, solche Studien hat es nie gegeben. Tatsächlich haben sämtliche Hersteller von antidepressiven Medikamenten stets große Schwierigkeiten gehabt, aufzuzeigen, dass die Medikamente besser wirken, als die verabreichten Placebos.

Die Firmen haben dafür stets Tricks verwendet. Beispielsweise weigerte sich die Firma Pfizer im Jahr 2009 dem deutschen Arzneimittelprüfungsinsitut IQWiG sämtliche Studiendaten zur Bewertung des Antidepressivum Edronax (Wirkstoff Reboxetin) zur Verfügung zu stellen. Es fehlten die Daten von 74 Prozent der mit Reboxetin behandelten Patienten. Erst nach öffentlichem Druck stellte das Unternehmen die Daten schließlich im Jahr 2010 zur Verfügung. Dabei zeigte sich, dass das Mittel schlechter, als jedes zuvor getestete neuere Antidepressivum wirkte. Das Mittel gilt seitdem als unwirksam und wird nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bezuschusst. Aber es ist immer noch erhältlich.

Mysteriös erwies sich auch die Zulassung des weltweit erfolgreichstem Antidepressivums Prozac (Fluctin). Als das Pharmaunternehmen Eli Lily das Antidepressivum in Deutschland im Jahr 1984 testen lies, schrieb das damalige Bundesgesundheitsministerium in seiner Ablehnungsbegründung:

Bundesgesundheitsministerium über Prozac (Fluctin)

„Das Medikament erscheint vollkommen ungeeignet für die Behandlung von Depressionen“ Quelle: Lilly Fax

  • Das Medikament wurde im Rahmen einer Zulassungsstudie in Deutschland an 1427 Patienten in 46 Studien getestet.
  • 25 Studien wurden wegen der starken Nebenwirkungen (bis zu 90 Prozent der Patienten) nicht abgeschlossen.
  • 16 Suizidversuche wurden beobachtet
  • Zwei davon wurden vollendet
  • Die Studienautoren schrieben, dass die Suizidabsichten offensichtlich durch das Medikament verstärkt wurden, da suizidale Patienten von der Studie ausgeschlossen waren.
  • Abschliessender Satz: "Considering the benefit and the risk, we think this preparation totally unsuitable for the treatment of depression."

Sechs Jahre später ist das Medikament - im dritten Anlauf - aber in unveränderter Form zugelassen worden.

Antidepressiva haben nie eine deutliche Wirkung auf Depressionen gezeigt

Im Jahr 1960 schrieb der deutsche Pharmakologe Gerhard Zetler: "eine sehr große Zahl positiver Berichte beruht lediglich auf dem gänzlichen Mangel an adäquaten Kontrollen." Zetler 1960

Für placebokontrollierte Studien:

Der Amerikaner Jonathan Cole fasste in einem ausführlichen Artikel für das amerikanische Ärzteblatt zusammen:

„Im großen und ganzen gehören Depressionen zu den psychiatrischen Erkrankungen mit den besten Heilungschancen. Mit oder ohne Behandlung. Die meisten Depressionen hören von alleine auf und die Spontanheilungsrate oder Heilung innerhalb der placebo-kontrollierten Patienten ist häufig hoch. Beispielsweise zeigten bei neun kontrollierten Studien an stationären Patienten 57 Prozent der Placebo-Patienten eine Besserungen innerhalb von zwei bis sechs Wochen.“ Cole 1964, JAMA

Die erste Meta-Studie

Zwei Jahre später werteten amerikanische Autoren in einer der frühesten Meta-Studie 2000 Artikel über Antidepressiva aus und kamen zu dem Ergebnis, dass die Mittel kaum besser wirkten, als die Placebos.

Die Wissenschaft nach 2000

Nach der Jahrtausendwende zeigten Autoren, dass die wissenschaftliche Welt irregeführt wurde, weil von den Zulassungsstudien nur die positiven Berichte veröffentlicht wurden, wodurch ein falsches Bild entstanden ist.

Turner fand heraus, dass die Wirksamkeit der SSRI auf den verwendeten Berechnungsmethoden beruht und nicht auf ihrer klinischen Wirksamkeit (Turner et al. 2008).

Kirsch zeigte in ausführlichen Studien - über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren - dass stets Tricks angewendet wurden, um zu zeigen, dass Antidepressiva besser wirken als Plazebos.