Irrtum: Eine medikamentöse Dauertherapie schützt vor Rückfällen
Ein Beitrag von Dr. Peter Ansari
Irrtum: Eine medikamentöse Dauertherapie schützt vor Rückfällen
Die Abbildung zeigt einen Anstieg der Rückfälle unter antidepressiver Dauermedikation, Patienten, die dauerhaft keine Medikamente einnahmen, hatten seltener depressive Rückfälle (Hippius und Angst 1969). Links Imipramin, Mitte Lithium, rechts Kontrollgruppe.
Die Behauptung: „Eine Dauertherapie mit Antidepressiva schützt vor Rückfällen“
Viele Psychiater versichern, dass eine medikamentöse Dauertherapie vor Rückfällen schützt.
Fakten: Antidepressiva gibt es seit 1957. Bis zum Jahr 1990 gab es keine Studie, die zeigte, dass eine Dauertherapie Rückfälle verhindern kann.
Es wäre falsch zu glauben, dass solche Versuche nicht schon damals durchgeführt wurden. Das Gegenteil ist der Fall: Mehrere Forscher hatten ab dem Jahr 1958 angekündigt, die Effizienz einer Dauermedikation zu prüfen.
Jedoch scheiterten alle Versuche, bei denen geprüft wurde, ob dauermedikamentierte Patienten weniger Rückfälle erlitten.
33 Jahre gab es keine einzige Studie, die einen positiven Effekt bei einer medikamentösen Dauertherapie von depressiven Patienten zeigen konnte.
Die beiden wichtigsten deutschsprachigen Fürsprecher von Antidepressiva schrieben im Jahr 1969:
„Schließlich ist immer wieder auch versucht worden, die trizyklischen Antidepressiva als langfristige Dauermedikation zur Phasenprophylaxe zu geben. Diese Versuche sind jedoch zumeist unbefriedigend verlaufen, so daß man […] ganz auf sie verzichten sollte.“
Die Forscher beobachteten unter Dauertherapie eine Erhöhung der depressiven Rückfälle.
Die erstaunlichste Tatsache der „erfolgreichen“ Dauertherapie ist jedoch, dass die Studie, in der erstmals im Jahr 1990 eine Überlegenheit durch eine antidepressive Medikation behauptet wurde, dasselbe Medikament verwendete, das auch 1958 und 1969 eingesetzt wurde. Es handelte sich um das Trizyklikum Imipramin.
Wenn man diese Ergebnisse zusammenfasst, müsste man sagen: Von 1957 bis 1969 konnte das Medikament Imipramin in keinem Setting das erneute Auftreten von Depressionen verringern, stattdessen zeigte sich sogar eine Erhöhung. Von 1990 bis 1996 soll dann die dauerhafte Einnahme von Imipramin vor dem erneuten Auftreten einer Depression geschützt haben.
Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass der Anteil von Patienten, die mit dem Antidepressivum Imipramin heute behandelt werden, nur 0,18 Prozent beträgt (2,4 Millionen Tagesdosen im Jahr 2012).
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