Dieses lesenswerte Buch hat Maren Siems-Bührmann für Sie gelesen.

Bund deutscher Heilpraktiker empfiehlt Unglück auf Rezept

Der Bund deutscher Heilpraktiker schreibt über "Unglück auf Rezept":

Dr. Peter Ansari hat in Hamburg und Berlin in der Hirnforschung gearbeitet. Seine Frau, Sabine Ansari, ist Sprecherzieherin und war beim SWR als Fernsehmoderatorin tätig. Heute arbeitet sie als Heilpraktikerin in der Nähe von Hannover. Zusammen haben die Beiden mehr als zehn Jahre über die Depressionen und ihre Behandlung geforscht.

Nach einem Überblick über antidepressive Medikamente werden Beispiele von Erkrankten, ihrer Behandlung und auch den Folgen wie Suizid und Qualen beim Absetzen der Arznei beschrieben. Diese vielen Beispiele machen den Leser betroffen. Doch die Nebenwirkungen von SSRI-Antidepressiva wie Prozac und Citalopram sind bekannt. Im Langzeitgebrauch kommt es zu Libido- Störungen, Gewichtszunahme, Schlaflosigkeit und Suizidphantasien. Irritierend ist, dass es einen eigenen ICD-10 Schlüssel Y49.2 „SSRI-Absetzungssyndrom“ gibt.

Fallbeispiele verdeutlichen die Thesen

Die Autoren beschreiben in einem Kapitel ausführlich die unbekannte Biochemie der Depression und Schwierigkeit der Diagnostik. An vielen Fallbeispielen, auch von berühmten Persönlichkeiten, z. B. Hermann Hesse, erläutern die Ansaris wie ein Lebens- oder Leidensweg verlaufen kann. So wird klar, Depression ist keine neue Erkrankung. Auch die Geschichte der Therapien von Hippokrates Zeiten an, über Valium, vielen bekannt als „Mother`s Little Helper“, bis zu den modernen Antidepressiva der Pharmakonzerne wird beschrieben. In den USA werden die „Happy Pills“ ganz offen als Lifestyle beworben und von ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung eingenommen. Hier in Deutschland darf ein verschreibungspflichtiges Medikament nur in Fachzeitschriften beworben werden. War man in den 1960er Jahren noch der Ansicht, ein schweres Gemüt sei eine vorübergehende Erkrankung mit guter Prognose, wurden im Jahr 2014 bereits über 1400 Tagesdosen Antidepressiva verordnet. Sieben Mal mehr als im Jahr 1990.

Die Pharmaskandale und die Milliardenstrafen für die Hersteller werden ebenfalls in einem Kapitel angesprochen.

Die schwierige Diagnostik

In einem weiteren Kapitel setzen sich die Autoren mit der Diagnostik und der Behandlung auseinander. Die Diagnostik ist schwierig, da eine Depression nicht organisch nachweisbar ist und so bleibt nur die Biographie des Betroffenen, die vielfach durch verschiedene Fragebögen erfragt wird. Viele Psychiater sind mit den Ergebnissen nicht zufrieden, die eigenen Beobachtungen stimmen nicht damit überein. Doch auch hier spielt der Faktor Zeit eine große Rolle, in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit kann keine gute Diagnostik getroffen und ein Behandlungsplan aufgestellt werden.

Fazit

Peter und Sabine Ansari bieten eine kritische Betrachtung der Behandlung von Depressionen mit Antidepressiva, den Wirkungen und Nebenwirkungen sowie alternative Behandlungsmöglichkeiten deren Wirksamkeit zum Teil gut belegt ist. Hier steht ebenfalls eine fundierte Psychotherapie an erster Stelle. Doch hapert es an den mitunter sehr langen Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten auf einen Therapieplatz. Die Quellen der Ansaris, es sind über 340 Angaben, sind gut belegt und bieten reichlich Stoff zum Nachlesen. Dies regt an, die sich verstärkt mit dem Thema zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Ein Buch für Betroffene, Angehörige, Fachleute und Interessierte.“

Maren Siems-Bührmann

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Bund deutscher Heilpraktiker