Die beliebtesten Beiträge

Die Zeit schreibt über Abhängigkeit von Antidepressiva und erstaunlicherweise finden sich die beiden Worte Antidepressiva und Abhängigkeit nicht versteckt in der Mitte des Artikels, sondern prominent in der URL des Artikel (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-05/antidepressiva-medikamente-tabletten-abhaengigkeit).

Der klinische Psychologe Dr. Michael P. Hengartner von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat die Langzeitdaten von Personen mit Depressionen ausgewertet (Link). Dabei zeigte sich bei Patienten, die über einen langen Zeitraum antidepressive Medikamente eingenommen hatten, eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs im Vergleich zu Patienten, die nur kurzzeitig oder gar keine Medikamente eingenommen hatten.

Sendung vom 02.12.2017. WDR Aktuelle Stunde. Redaktion: Fritz Sprengart.

Eine Patientin leidet unter seelischen Schwierigkeiten. Sie erhält Antidepressiva. Die Medikamente helfen ihr nicht. Sie entschließt sich die Medikamente abzusetzen. Danach geht es ihr schlechter, als vorher. Ihr aktueller Zustand ist "noch schlimmer als die ursprüngliche Krankheit". Sie bittet ihre Ärztin um eine Therapie, die nicht auf Medikamenten basiert. Ihre Ärztin sagt:"dann werde ich sie nicht weiter behandeln".

Im Jahr 1818 empfahl der Psychiater Johann Christian Heinroth (1773-1843) für die Therapie von seelengestörten Patienten:

„Wir fügen den Rath hinzu: den Kranken im Finstern Schläge aus electrischen, galvanischen Batterien zu geben.“  J. C. A. Heinroth: Lehrbuch der Störungen des Seelenlebens oder der Seelenstörungen und ihrer Behandlung. Vogel, Leipzig 1818, S. 140)

Angeblich wurden 30 neue Gene, die Depressionen verursachen, entdeckt und an dieser Spitzenforschung ist die deutsche Uniklinik Bonn beteiligt gewesen (Link)(Link). Jetzt sollen sich alle depressiven Patienten und deren Angehörige freuen. Sie sollen glauben: Bald wird es neue, aufregende Entdeckungen geben, aus denen neue Therapien abgeleitet werden. Die Forscher brauchen einfach nur mehr Geld, dann werden automatisch neue und bessere Medikamente gegen Depressionen verfügbar sein. – So ein Blödsinn!

In loser Folge verlinkt Depression-Heute lesenswerte Artikel über Depressionen, Therapien und Antidepressiva. Heute: Ketamin-Studie abgebrochen, Interview Michael P. Hengartner, ein Ehemann berichtet über den Suizid seiner Frau und der Besuch beim Psychiater.

Kaum ein Thema heizt die Gemüter derartig auf, wie die Abhängigkeit von Antidepressiva. Die New York Times hat dazu einen umfangreichen Bericht verfasst. In diesem kommen die Betroffenen zu Wort. Manche äußern, dass sie wegen der schweren Entzugssymptomen ihr Studium abbrechen mussten (Quelle). Zehn Tage später erschien der Folgeartikel. 8800 Leser hatten der NYT ihre persönlichen Erfahrungen mit Antidepressiva geschildert (Quelle).

Der Psychologe Daniel Sommer hat eine Onlinestudie über das Absetzen von Antidepressiva und Neuroleptika initiiert. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob es Ereignisse oder Situationen gibt, die ein erfolgreiches Absetzen begünstigen. Bei der Studie geht es nicht ausschließlich um Antidepressiva sondern auch um das Absetzen von Neuroleptika.

Derzeit geistert eine neue Studie über die Wirksamkeit von Antidepressiva durch die Medienlandschaft. Hauptautor ist der Italiener Andrea Cipriani, die Studie wird deshalb auch Cipriani-Studie genannt. Die Studie ist nicht so schlecht, wie viele andere Studien. Das liegt hauptsächlich an den Autoren.

Bemerkenswert ist beispielsweise Eric Turner, der sich intensiv mit Daten zu Antidepressiva beschäftigt hat und auch die anderen Autoren wie Ioannidis sind nicht die üblichen Verdächtigen, die bei jedem Interview den Dreiklang der Pharmaindustrie „haben keine Nebenwirkungen, bewirken keine Persönlichkeitsveränderungen und machen nicht abhängig“ anstimmen.

Im Jahr 2018 kann keiner mehr behaupten, er hat von nichts gewusst. Es ist mittlerweile bekannt:

  1. Die Biochemie der Depression ist unbekannt
  2. Es sind keine Gehirnstoffe bekannt, die sich bei einer Depression in eine bestimmte Richtung verändern
  3. Es gibt keinen biologischen Marker, der sich bei einer Besserung oder einer Verschlimmerung einer Depression ändert
  4. Es gibt keine biologische Psychiatrie für Depressionspatienten

Antidepressiva wirken nicht spezifisch gegen eine Depression (sonst müsste man ja wissen, welcher Laborwert sich durch die Einnahme verändert), noch korrigieren Antidepressiva fehlgeleitete Prozesse im Gehirn (sonst müsste bekannt sein, welche Prozesse fehlgeleitet sind). Stattdessen gibt es die moderne Gehirnforschung. Sie arbeitet molekularbiologisch und mit bildgebenden Verfahren. Sie kann Theorien beweisen oder widerlegen! Theorien in denen Rezeptoren eine Rolle spielen lassen sich sehr gut durch radioaktiv markierte hochspezifische biochemische Stoffe überprüfen. Eine spezifische Wirksamkeit von Antidepressiva gegen Depressionen konnte damit nie gezeigt werden. Stattdessen besitzen alle Antidepressiva Nebenwirkungen, die mehr oder weniger schwer ausgeprägt sind. Wer über sechs oder zwölf Monate lang jeden Tag eine Substanz einnimmt, die ins Gehirn gelangt, dem geht es schlechter, wenn er sie nicht mehr einnimmt.

Peter Lehmann ist Deutschlands renommiertester Psychiatriekritiker. Seit den frühen 80er Jahren beschreibt er Missständen in den Psychiatrien, setzt sich für die Rechte von psychiatrischen Patienten ein und veröffentlicht Informationen über alternative Therapiekonzepte. Er ist dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und einer Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden. Depression-Heute hat mit Ihm über sein neues Buch gesprochen, das er gemeinsam mit einem Psychiater und zwei Ärzten, geschrieben hat:

Neue Antidepressiva, Atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen von Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer

Wie schnell wird man von antidepressiven Medikamenten abhängig? Darauf gibt es keine leichte Antwort. Es gelingt über der Hälfte aller Patienten ihr Antidepressivum innerhalb der ersten sechs Wochen abzusetzen (Quelle).

  • Aber nach sechs monatiger Einnahme entwickeln 30 Prozent der Patienten eine Abhängigkeit.
  • Nach zwölf Monaten entwickeln 60 Prozent der Patienten eine Abhängigkeit und
  • nach 2 Jahren entwickeln etwa 80 Prozent der Patienten eine körperliche Abhängigkeit (Quelle & Quelle)

Falschmeldung in der Apotheken Umschau: Bei Depressionen ist der Stoffwechsel gestört und es gibt Depressionsgene, die für die Erkrankung verantwortlich sind. Traurig aber wahr - hier hat keine Redaktion korrigierend eingegriffen.

Obwohl wir mittlerweile das Jahr 2018 schreiben, veröffentlicht das "erfolgreichste Gesundheitsmagazin Deutschlands" Propagandalügen von Pharmalobbyisten. Das ist erschreckend, denn die Apotheken Umschau hat eine Auflage von über 9 Millionen Exemplaren. Eine hier platzierte Falschmeldung wird viele unbedarfte Leser, zu Antidepressiva-Opfern machen, die massiv unter Absetzsymptomen leiden werden, sowie unter vielen anderen Symptomen.

Im Jahr 2016 wurden 1467 Millionen Tagesdosen Antidepressiva verordnet. Das sind 745 Prozent mehr als im Jahr 1991. Die Zahlen hat der Arzneiverordnungs-Report veröffentlicht.

Entwicklung psychopharmaka von 1990 bis 2016

Im Bereich der Psychopharmaka nehmen Antidepressiva eine Ausnahmestellung ein. Keine andere Substanzgruppe hat ein vergleichbares Wachstum erlebt.

Wenn Fachleute die Öffentlichkeit in die Irre führen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veralbert ihre Klienten. In einer neuen Kampagne behauptet die Organisation unter anderem: Antidepressiva … wirken gezielt gegen die in der Depression gestörten Funktionsabläufe im Gehirn.

Grafik Deutsche Depressionshilfe
Grafik der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Quelle

Das widerspricht dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung: Kein Forscher weiß, welche Funktionsabläufe bei einer Depression gestört sind. Aus diesem Grund haben sich auch alle großen Pharmafirmen aus der Depressionsforschung zurückgezogen (Link).