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Das NDR-Magazin Visite berichtete im Januar 2019 über die Nebenwirkung: Suizidgedanken, die von Antidepressiva verursacht werden können.

Die Redakteurin Jutta Rosbach hat Einblick in eine offizielle Datenbank erhalten. Diese dokumentiert, dass Patienten, die zuvor noch nie an Suizid dachten, nach der Einnahme von Antidepressiva eine Fremdsteuerungs-Wahrnehmung entwickelten und Suizidversuche durchführten.

Die Gesprächspartner von Rosbach sind Professor Bruno Müller-Oerlinghausen und Professor Tom Bschor. Das Fazit lautet: Ärzte, die nur ein Rezept ausstellen, ohne den Patienten im Blick zu behalten, handeln fahrlässig.

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NDR Visite

Zu den interessantesten Büchern über Antidepressiva des vergangenen Jahres zählt Tom Bschors Antidepressiva – Wie man sie richtig anwendet und wer sie nicht nehmen sollte.

Bereits im Untertitel findet sich ein Tabubruch, denn kein anderer deutscher Psychiatrieprofessor würde schreiben: Es gibt Menschen, die sollten lieber keine Antidepressiva einnehmen. Viel verbreiteter ist die Empfehlung: Nehmen Sie Antidepressiva: Gegen Depressionen, gegen Überlastung, gegen Zwänge, gegen Phobien, gegen Sorgen, gegen Wechseljahre Beschwerden, gegen chronische Schmerzen, gegen Fibromyalgie, gegen Arbeitslosigkeit, gegen Suchterscheinungen, gegen Trauer oder Lebenskrisen.  – Tatsächlich werden aktuell 1,5 Milliarden Tabletten Antidepressiva pro Jahr in Deutschland verschrieben. Damit könnten 5 Prozent der Bevölkerung versorgt werden.

Wie kann man helfen, wenn jemand unter depressiven Verstimmungen leidet, aber gegenüber Tabletten kritisch eingestellt ist? Gibt es da nichts außer Sport und Psychotherapie?

Eine sehr einfache und wirksame Methode ist die Massage. In dem Buch „Berührung – Warum wir sie brauchen und wie sie uns heilt“ haben der Berliner Charité Arzt Müller-Oerlinghausen und die Körpertherapeutin Gabriele Mariell Kiebgis ihre Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zusammengefügt. Herausgekommen ist ein tiefsinniges Buch, das den Spagat zwischen theoretischer Unterfütterung und praktischer Anleitung wagt.

der neue Houellebecq ist unangepasst, unanständig und stimmt sehr nachdenklich. Depression-Heute beschränkt sich hier auf die Aussagen zu Serotonin – in wissenschaftlicher Hinsicht.

Warum heißt der Roman Serotonin?

Houellebecq hat sich für den Roman ein neuartiges Antidepressivum ausgedacht, das den Namen Captorix trägt. Es erhöht die Serotoninkonzentration im Körper. Die Hauptfigur des Romans, der 46-jährige Florent-Claude Labrouste, ein Berater im Landwirtschaftsministerium, nimmt dieses Medikament jeden Morgen ein.

Manche Patienten beruhigt es, wenn der Psychiater ihnen erklärt: Sie leiden unter einer Stoffwechselstörung / Serotoninmangel / Cortisolüberschuss / … da helfen Tabletten …

Aber was ist dran an den Versprechen der „biologischen Psychiatrie“? Kann man messbare Substanzen korrigieren und die Depression der Patienten hört auf, wenn das gelungen ist?

Auf welchem Stand befindet sich die biologische Psychiatrie im Jahr 2019? Gibt es mittlerweile ein funktionierendes Modell, das in der Lage ist, Depressionen mit biologischen Werten abzubilden?

Leider leistet dieses Buch keinen wertvollen Beitrag zur Entstigmatisierung der Volkskrankheit Depression, wie im Klappentext versprochen, sondern bewirkt das Gegenteil. Der Bericht von Meierhenrich beschwört ein Schreckensgespenst herbei, das eigentlich durch die historische und klinische Forschung in sich zusammen gefallen sein müsste: Das Gespenst einer dauerhaften, Jahrzehnte andauernden Depression, an deren Ende der Freitod steht.

In der Ausgabe 7/2018 der Zeitschrift Psychiatrische Praxis diskutieren zwei Psychiater über die Frage: Machen Antidepressiva abhängig?

Zur Ausgabe 07/2018 Psych Praxis

Bemerkenswert ist die Position des psychiatrischen Chefarztes Professor Ulrich Voderholzer. Er argumentiert zugunsten der Sichtweise: Antidepressiva machen abhängig.

Hier ein Auszug seiner Argumente:

Ist das nur schlecht recherchiert oder böse Absicht? In der aktuellen Apotheken Umschau hagelt es Falschnachrichten und unbewiesene Spekulationen:

  • Bei einer Depression fehlt Serotonin,
  • der Botenstoff Dopamin gerät aus dem Gleichgewicht,
  • Antidepressiva einnehmen ist so wichtig wie Insulin bei Diabetes.

Die Redakteurin Silke Droll erweist betroffenen Menschen und ihren Angehörigen einen Bärendienst: Anstatt aufzuklären, Risiken zu benennen und Therapien zu bewerten, ignoriert sie aktuelle Forschungsergebnisse und führt damit Angehörige und Betroffene mit der Diagnose Depression vor.

Zitate Apotheken Umschau Depressionen Antidepressiva November 2018

Besonders traurig: Die Apotheken Umschau ist Deutschlands reichweitenstärkste Zeitschrift. Sie erreicht 20 Millionen Leser pro Ausgabe.


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Dr. Martin Plöderl

In der Krisenintervention und Suizidprävention haben Antidepressiva einen großen Stellenwert. Sie sollen die der Suizidalität häufig zugrundeliegende Depression behandeln und so die Situation entschärfen. Dies ist eine gängige Ansicht, die sich auch heute noch in Fachzeitschriften findet und von hochrangigen Suizidforschern vertreten wird, und folglich auch von vielen ÄrztInnen.

Die Evidenzlage lässt diese Ansicht aber kaum rechtfertigen.

In seinem aktuellen Buch Gute Medizin, schlechte Medizin schildert der dänische Arzt Peter C. Gøtzsche einen niederländischen Fall, den er als Gutachter begleitete (Seite 205f).

Die zum Tatzeitpunkt 33-jährige Aurélie V. hatte ihre Kinder Rosa (6 Jahre) und Lucas (8 Jahre) am 02. Oktober 2013 getötet, indem sie ihnen in der elterlichen Wohnung mit einem Messer den Hals durchschnitt.

Aurelie V. erklärte dazu vor Gericht:

"Ich wollte sie nicht töten. Ich habe es in einer Art von Täuschung getan. Ich handelte wie ein Roboter auf Autopilot. Ich war nicht ich selbst." (Link)

Diese wissenschaftliche Diskussion sollte im Januar 2018 in Frankfurt (DGSP-Experten-Hearing) persönlich geführt werden.

Die Gesprächspartner Professor Wolfersdorf und Professor Hegerl waren eingeladen. Beide haben mit Hinweis auf Depression-Heute Gründer Ansari abgesagt.

was war was wird

Wie effizient sind antidepressive Medikamente?

Der Harvard Forscher Irving Kirsch hat zusammen mit Ed Pigott und anderen die Daten der größten, pharmaunabhängigen Antidepressiva-Studie (STAR*D) mit den Daten von anderen (pharmafinanzierten) Antidepressiva-Studien verglichen.

Die Effizienz und auch das Ansprechen auf Antidepressiva ist sehr unterschiedlich:

 

Genesung (Recovery)

Ansprechverhalten (Response)

STAR*D (unabhängige Studie)

25,6 Prozent

35,2 Prozent

Pharmafinanzierte Studien

48,4 Prozent

65,2 Prozent

Die Autoren stellen die Frage: Was stimmt? Wird die Effizienz der Medikamente möglicherweise durch eine „geeignete“ Auswahl von Patienten in den klinischen Studien der Pharmaindustrie stark verzerrt?

http://psycnet.apa.org/record/2018-45831-001?doi=1

In Deutschland leiden fünf Millionen Menschen an Depressionen. Jahrelang wurde ihnen erklärt, ihr Serotoninstoffwechsel sei Schuld an der Erkrankung. Ihnen wurde gesagt, die Erkrankung könne nur mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sinnvoll behandelt werden, sonst drohe eine Dauerdepression (Chronifizierung).

Diese Behauptungen wurden von Universitätsprofessoren in die Welt gesetzt. In Deutschland gibt es 37 psychiatrische Universitätskliniken und dementsprechend 37 Institutsdirektoren. Universitäten sind Orte der Wissenschaft. Wissenschaft soll unabhängig sein. Doch kein einziger Lehrstuhlinhaber will gewusst haben, dass in der Öffentlichkeit Lügen über sein Fachgebiet verbreitet wurden. Eine Konferenz in Frankfurt am Main die eine Klärung anstrebte und im Januar 2018 stattfand, konnte die Frage nach dem „WARUM“ nicht beantworten. Die eingeladenen Fachleute waren nicht erschienen oder hatten kurzfristig abgesagt. – die dadurch "nichtgeführte Diskussion" hatte keinen Einfluss auf das Therapieschicksal der fünf Millionen Depressionspatienten in Deutschland. "Warum kann man hierzulande nicht über die optimale Behandlung von depressiven Patienten diskutieren?"