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Am Donnerstag, den 06. September 2018, veranstaltet die Klinke Herford e. V. die zweite Tagung zum Thema Depressionen / Antidepressiva. In diesem Jahr werden alternative Behandlungen von depressiven Verstimmungen und das Absetzen von Antidepressiva thematisiert. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro.

Die Tagung richtet sich an alle interessierten Menschen. Das können Betroffene, Angehörige, Interessierte oder auch professionelle Therapeuten sein. Wer als Arzt an der Veranstaltung teilnimmt erhält dafür von der Ärztekammer Westfalen-Lippe Fortbildungspunkte. Im vergangenen Jahr hatten 21 Ärzte diese Tagung besucht.

herford 2018 ank

Das Programm der Tagung

Download des Veranstaltungsflyers (.pdf):

Die Tagung findet in der Volkshochschule Herford statt.
Hier können Sie sich für die Tagung anmelden

08:00 Uhr Einlass
09:00Uhr Einführung in die Tagung: Dr. Wolf Müller
09:15 Uhr 1. Vortrag: Sabine Haller, Jill Ebert, Reiner Ott:
Psychiatrie-Erfahrene berichten: Erfahrungen mit Antidepressiva und ihrem Entzug, mit der Tätigkeit als Genesungsbegleiter, mit dem Perspektiv- und Rollenwechsel in multiprofessionellenTeams
10:30 Uhr Kurze Pause
11:00 Uhr 2. Vortrag: Prof. Uwe Gonther:
Die Botschaft des Bremer Psychiatriemusikanten: Antidepressiva reduzieren und absetzen, stationäre Behandlung ohne Antidepressiva
11:45 Uhr Diskussion
12:00 Uhr 3. Vortrag: Maranius J. Stienen:
Ein integrativer Therapieansatz zur Lösung von Depressionen: Verstehenszugänge und Synergie von Systemischer Traumatherapie, Schulmedizin und Naturheilkunde
12:45 Uhr Diskussion
13:00 Uhr Mittagspause
14:00 Uhr 4. Vortrag: Dr. Rainer Stange
Naturheilkundliche Behandlung der Depression
14:45 Uhr 5. Vortrag: Ronald Vogelsang und N.N.
Mit Achtsamkeit aus dem schwarzen Loch: "MBSR" und "MBCT" für Menschen mit Depressionen
15:30 Uhr Kurze Pause
16:00 Uhr 6. Vortrag: Dipl. Psych. Sandra Münstermann
"Beziehung - Verstehen - persönliche Entwicklung - Was hilfreich wirkt in der ambulanten Psychotherapie bei Menschen mit Depressionen"
16:45 Uhr 7. Vortrag: Sabine Noelle
Recovery und Psychiatrische Pflege depressiver Menschen - Worauf kommt es an?
17:30 Uhr 8. Vortrag: Psychiatrie-Erfahrene und Genesungsbegleiter*innen
Beobachtungen zur Tagung von Psychiatrie-Erfahrenen, Diskussion mit Plenum
18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Moderation: Maria Canovasi, Hildegard Weigand

Referent*innen / Moderator*innen

Canovai, Maria
Dipl. Psych., Vorstand der Westfälischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V.

Ebert, Jill
Moderatorin, ADFD Selbsthilfeforum

Gonther, Uwe
Prof. Dr. med., Ärztlicher direktor, AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen

Haller, Sabine
Betroffene, Bezugsbetreuerin, Psychopharmakatrialog Berlin

Müller, Wolf
Dr. med., Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Chefarzt a. D.

Münstermann, Sandra
Dipl. Psych., Psychologische Psychotherapeutin, Supervision (DGVT), Institutsleitung Ausbildungszentrum für Psychologische Psychotherapie Bielefeld - Ostwestfalen - Lippe

Noelle, Sabine
Krankenschwester B.A. Psychische Gesundheit/ Psychiatrische Pflege, Primary Nurse

Ott, Reiner
Betroffener, Genesungsbegleiter in der ambulanten Eingliederungshilfe (Rauhe Haus Hamburg) Vorstand Genesungsbegleitung und Peerberatung hamburg e. V.

Stange, Rainer
Dr. med. Leitender Arzt Abteilung für Naturheilkunde Charité - Universitätsmedizin Berlin und Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee

Weigand, Hildegard
Dipl. Pädagogin, Supervisorin (DGSv) mit langjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Psychiatrischen Institutionen

Stienen, Maranius J.
Kinder-/Jugendlichen-Psychotherapeut, Heilpraktiker (Psychotherapie), Geschäftsführer "Integratives Gesundheitszentrum Aachen" und Joko-Institut

Vogelsang, Ronald
MBSR- und MBCT-Lehrer, Physiotherapeut, sektoraler Heilpraktiker, Feldenkraislehrer

Eine Tagung der Klinke e. V. Herford in Kooperation mit der
VHS im Kreis Herford, dem Landesverband Westfälische Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (WGSP e. V.), dem Fachausschuss Psychopharmaka der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie e. V. (DGSP)

Depression-Heute: Ist natürlich wieder mit dabei und möchte sich für die vielen helfenden Hände, die diese Tagung ermöglichen, bedanken und ganz besonders bei Wolf und Günther.

So verlief die erste Depressionstagung in Herford im Jahr 2017

So berichtete die lokale Presse über die 2017er Tagung in Herford

Die Zeit schreibt über Abhängigkeit von Antidepressiva und erstaunlicherweise finden sich die beiden Worte Antidepressiva und Abhängigkeit nicht versteckt in der Mitte des Artikels, sondern prominent in der URL des Artikel (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-05/antidepressiva-medikamente-tabletten-abhaengigkeit).

Der klinische Psychologe Dr. Michael P. Hengartner von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat die Langzeitdaten von Personen mit Depressionen ausgewertet (Link). Dabei zeigte sich bei Patienten, die über einen langen Zeitraum antidepressive Medikamente eingenommen hatten, eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs im Vergleich zu Patienten, die nur kurzzeitig oder gar keine Medikamente eingenommen hatten.

Sendung vom 02.12.2017. WDR Aktuelle Stunde. Redaktion: Fritz Sprengart.

Eine Patientin leidet unter seelischen Schwierigkeiten. Sie erhält Antidepressiva. Die Medikamente helfen ihr nicht. Sie entschließt sich die Medikamente abzusetzen. Danach geht es ihr schlechter, als vorher. Ihr aktueller Zustand ist "noch schlimmer als die ursprüngliche Krankheit". Sie bittet ihre Ärztin um eine Therapie, die nicht auf Medikamenten basiert. Ihre Ärztin sagt:"dann werde ich sie nicht weiter behandeln".

Im Jahr 1818 empfahl der Psychiater Johann Christian Heinroth (1773-1843) für die Therapie von seelengestörten Patienten:

„Wir fügen den Rath hinzu: den Kranken im Finstern Schläge aus electrischen, galvanischen Batterien zu geben.“  J. C. A. Heinroth: Lehrbuch der Störungen des Seelenlebens oder der Seelenstörungen und ihrer Behandlung. Vogel, Leipzig 1818, S. 140)

Angeblich wurden 30 neue Gene, die Depressionen verursachen, entdeckt und an dieser Spitzenforschung ist die deutsche Uniklinik Bonn beteiligt gewesen (Link)(Link). Jetzt sollen sich alle depressiven Patienten und deren Angehörige freuen. Sie sollen glauben: Bald wird es neue, aufregende Entdeckungen geben, aus denen neue Therapien abgeleitet werden. Die Forscher brauchen einfach nur mehr Geld, dann werden automatisch neue und bessere Medikamente gegen Depressionen verfügbar sein. – So ein Blödsinn!

In loser Folge verlinkt Depression-Heute lesenswerte Artikel über Depressionen, Therapien und Antidepressiva. Heute: Ketamin-Studie abgebrochen, Interview Michael P. Hengartner, ein Ehemann berichtet über den Suizid seiner Frau und der Besuch beim Psychiater.

Kaum ein Thema heizt die Gemüter derartig auf, wie die Abhängigkeit von Antidepressiva. Die New York Times hat dazu einen umfangreichen Bericht verfasst. In diesem kommen die Betroffenen zu Wort. Manche äußern, dass sie wegen der schweren Entzugssymptomen ihr Studium abbrechen mussten (Quelle). Zehn Tage später erschien der Folgeartikel. 8800 Leser hatten der NYT ihre persönlichen Erfahrungen mit Antidepressiva geschildert (Quelle).

Der Psychologe Daniel Sommer hat eine Onlinestudie über das Absetzen von Antidepressiva und Neuroleptika initiiert. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob es Ereignisse oder Situationen gibt, die ein erfolgreiches Absetzen begünstigen. Bei der Studie geht es nicht ausschließlich um Antidepressiva sondern auch um das Absetzen von Neuroleptika.

Derzeit geistert eine neue Studie über die Wirksamkeit von Antidepressiva durch die Medienlandschaft. Hauptautor ist der Italiener Andrea Cipriani, die Studie wird deshalb auch Cipriani-Studie genannt. Die Studie ist nicht so schlecht, wie viele andere Studien. Das liegt hauptsächlich an den Autoren.

Bemerkenswert ist beispielsweise Eric Turner, der sich intensiv mit Daten zu Antidepressiva beschäftigt hat und auch die anderen Autoren wie Ioannidis sind nicht die üblichen Verdächtigen, die bei jedem Interview den Dreiklang der Pharmaindustrie „haben keine Nebenwirkungen, bewirken keine Persönlichkeitsveränderungen und machen nicht abhängig“ anstimmen.

Im Jahr 2018 kann keiner mehr behaupten, er hat von nichts gewusst. Es ist mittlerweile bekannt:

  1. Die Biochemie der Depression ist unbekannt
  2. Es sind keine Gehirnstoffe bekannt, die sich bei einer Depression in eine bestimmte Richtung verändern
  3. Es gibt keinen biologischen Marker, der sich bei einer Besserung oder einer Verschlimmerung einer Depression ändert
  4. Es gibt keine biologische Psychiatrie für Depressionspatienten

Antidepressiva wirken nicht spezifisch gegen eine Depression (sonst müsste man ja wissen, welcher Laborwert sich durch die Einnahme verändert), noch korrigieren Antidepressiva fehlgeleitete Prozesse im Gehirn (sonst müsste bekannt sein, welche Prozesse fehlgeleitet sind). Stattdessen gibt es die moderne Gehirnforschung. Sie arbeitet molekularbiologisch und mit bildgebenden Verfahren. Sie kann Theorien beweisen oder widerlegen! Theorien in denen Rezeptoren eine Rolle spielen lassen sich sehr gut durch radioaktiv markierte hochspezifische biochemische Stoffe überprüfen. Eine spezifische Wirksamkeit von Antidepressiva gegen Depressionen konnte damit nie gezeigt werden. Stattdessen besitzen alle Antidepressiva Nebenwirkungen, die mehr oder weniger schwer ausgeprägt sind. Wer über sechs oder zwölf Monate lang jeden Tag eine Substanz einnimmt, die ins Gehirn gelangt, dem geht es schlechter, wenn er sie nicht mehr einnimmt.

Peter Lehmann ist Deutschlands renommiertester Psychiatriekritiker. Seit den frühen 80er Jahren beschreibt er Missständen in den Psychiatrien, setzt sich für die Rechte von psychiatrischen Patienten ein und veröffentlicht Informationen über alternative Therapiekonzepte. Er ist dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und einer Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden. Depression-Heute hat mit Ihm über sein neues Buch gesprochen, das er gemeinsam mit einem Psychiater und zwei Ärzten, geschrieben hat:

Neue Antidepressiva, Atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen von Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer

Wie schnell wird man von antidepressiven Medikamenten abhängig? Darauf gibt es keine leichte Antwort. Es gelingt über der Hälfte aller Patienten ihr Antidepressivum innerhalb der ersten sechs Wochen abzusetzen (Quelle).

  • Aber nach sechs monatiger Einnahme entwickeln 30 Prozent der Patienten eine Abhängigkeit.
  • Nach zwölf Monaten entwickeln 60 Prozent der Patienten eine Abhängigkeit und
  • nach 2 Jahren entwickeln etwa 80 Prozent der Patienten eine körperliche Abhängigkeit (Quelle & Quelle)

Falschmeldung in der Apotheken Umschau: Bei Depressionen ist der Stoffwechsel gestört und es gibt Depressionsgene, die für die Erkrankung verantwortlich sind. Traurig aber wahr - hier hat keine Redaktion korrigierend eingegriffen.

Obwohl wir mittlerweile das Jahr 2018 schreiben, veröffentlicht das "erfolgreichste Gesundheitsmagazin Deutschlands" Propagandalügen von Pharmalobbyisten. Das ist erschreckend, denn die Apotheken Umschau hat eine Auflage von über 9 Millionen Exemplaren. Eine hier platzierte Falschmeldung wird viele unbedarfte Leser, zu Antidepressiva-Opfern machen, die massiv unter Absetzsymptomen leiden werden, sowie unter vielen anderen Symptomen.

Im Jahr 2016 wurden 1467 Millionen Tagesdosen Antidepressiva verordnet. Das sind 745 Prozent mehr als im Jahr 1991. Die Zahlen hat der Arzneiverordnungs-Report veröffentlicht.

Entwicklung psychopharmaka von 1990 bis 2016

Im Bereich der Psychopharmaka nehmen Antidepressiva eine Ausnahmestellung ein. Keine andere Substanzgruppe hat ein vergleichbares Wachstum erlebt.