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Eine Stellungnahme der DGSP zum Tag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2017

Der Stellenwert antidepressiver Medikamente

Von Peter Ansari und Markus Kaufmann

Nach allgemeiner Einschätzung handelt jeder grob fahrlässig, der Patienten mit mittelgradigen oder schweren Depressionen antidepressive Medikamente vorenthält. Aber worauf basiert diese Einschätzung?

Die Veranstalter der Zukunft der Antidepressiva-Tagung in Herford haben bewiesen, wie viel Einzelne bewegen können. Deswegen zuallererst ein großes Dankeschön an Wolf und Günter aber natürlich auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer, ohne die diese Tagung nicht möglich gewesen wäre. Es kamen knapp 200 Teilnehmer, unter ihnen 21 Ärzte (es gibt auch hier einen großen Bedarf nach unabhängigen Informationen!). Die Tagung war ein voller Erfolg in stilvollem Ambiente:

Die hohe Anzahl der Anmeldungen macht einen Ortswechsel notwendig. Die Tagung über die Zukunft der Antidepressiva am 21. September 2017 findet – anders als geplant - nicht mehr in der VHS Herford statt, sondern im Marta Herford, in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Dadurch sind jetzt weitere Plätze verfügbar.

Liebe Besucher des Patientenkongress der Stiftung Deutsche Depressionshilfe,

bitte lassen Sie sich diesmal nicht Legenden erzählen, die bereits seit langem wissenschaftlich widerlegt sind. Bitte fragen Sie nach.

Depression-Heute hat für Sie den Kongressband des vorherigen Patientenkongress 2015 durchgearbeitet und die darin enthaltenen widerlegten Aussagen aufgeführt. Den Kongressband erhalten Sie hier (Link).

kongress bild

Im Jahr 1991 wurden in Deutschland 7mal weniger Antidepressiva verschrieben als 2015.

Derzeit leben in Deutschland 4 Millionen Menschen, die an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt sind.

Wenn man davon ausgeht, dass die Verschreibung der antidepressiven Medikamente auch mit der Anzahl der Diagnosen Depression zusammenhängt, hätten wir:

1991:    570.000 depressive Patienten
2015: 4.000.000 depressive Patienten

Und es stellt sich die Frage:

Wo kommen die 3.430.000 zusätzliche Patienten her?

Schlimme: Die abklingende Psychose

Psychiatern wird oft vorgeworfen, sie behandeln akut erkrankte Patienten mit viel zu hohen Dosen von Neuroleptika. Damit helfen sie den Patienten nicht, sondern stellen nur sicher, dass die Abläufe in der Klinik funktionieren. Was der Patient jedoch am meisten auf seinem Weg zur Genesung benötigt, sind Zuwendung und Interesse – doch genau das erhält er in der Klinik nicht.

Jann Schlimme ist ein erfreulicher Gegenentwurf. In seinem Buch „Die abklingende Psychose“ beschreibt der Psychiater gemeinsam mit seinem psychologischen Kollegen Burkhart Brückner, wie man zu einem schwer kranken Patienten Kontakt aufnehmen kann, wie es gelingen kann, ihn zu verstehen und wie man dadurch „anders therapieren“ kann.

Professor Uwe Gonther und sein Team vom Ameos Klinikum veranstalten am 22. und 23. September ein Symposium in Bremen. Zu den Vortragenden wird Sabine Ansari gehören.

Workshops & Vorträge: Traditionelle Chinesische Medizin und Psychotherapie | Überwärmungsbäder bei Depressionen | Cannabis als Heilpflanze | Geistig fit durch Klangyoga | Die Möglichkeiten der Aromapflege | Erfahrungsberichte uvm.

Zu den häufigsten Fragen, die ich bei Vorträgen erhalte, gehört: Woher wissen Sie das eigentlich alles? Die Pharmafirmen haben Ihnen doch nicht freiwillig die interne Korrespondenz zur Verfügung gestellt? Wieso können Sie aus firmeninternen E-Mails zitieren?

In der Ausgabe Juli/ August von Raum und Zeit ist ein sechsseitiger Artikel von Peter und Sabine Ansari erschienen: "Pillen, die nicht glücklich machen"

In Deutschland arbeiten bundesweit zwei sehr große Organisationen für eine höhere Akzeptanz von depressiven Patienten. Sie wollen, dass sich depressive Patienten nicht mehr schämen müssen, wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen.
Aber das scheint nicht für alle Patienten mit Depressionen zu gelten. Wer bereits Antidepressiva eingenommen hat und dabei bemerkt hat, dass eine Abhängigkeit von Antidepressiva entstehen kann – ist bei diesen Organisationen nicht willkommen. Diesen depressiven Patienten wollen die Organisationen nicht helfen.

Aktuell nehmen die Anfragen zu: Wo ist das ADFD-Forum? Könnt ihr weiterhelfen?

Sind Antidepressiva die beste Wahl bei Depressionen?
Am 21. September diskutieren Experten in Herford ob die von Antidepressiva verursachten Schäden größer sind als der Nutzen dieser Medikamentenklasse. Auf der Tagung halten Psychiater, Pharmakologen, Hirnforscher, Heilpraktiker und Wissenschaftler Vorträge, den Abschluss bildet eine gemeinsame Diskussionsrunde. Aus Großbritannien reist der renommierte Forscher David Healy an.

Seit den 1990er Jahren werden immer mehr Antidepressiva verschrieben. Gleichzeitig stieg für Patienten die Wahrscheinlichkeit einen "Rückfall" zu erleiden, sowie die Anzahl der Krankheitstage wegen Depressionen und die Anzahl der Früberentungen wegen psychischer Erkrankungen. Die Kosten für die Behandlungen betragen mittlerweile Milliarden, das Leid der Patienten lässt sich in Zahlen nicht fassen.

Die Ursache für die Verschlechterung des Behandlungsergebnisses von depressiven Patienten ist die S3 Behandlungsleitlinie Unipolare Depressionen (Link). Ärzte und Therapeuten orientieren sich an dieser Empfehlung, die eine psychiatrische Fachgesellschaft erarbeitet hat.

Ist eine Depression eine Erkrankung, die ausbricht, wenn der Serotoninwert im Gehirn besonders niedrig ist? Obwohl viele Psychiater das immer noch behaupten, haben Wissenschaftler die Theorie bereits 1987 widerlegt. Das ist 30 Jahre her ...

Depressionen treten immer häufiger auf. Wer heute an einer Depression erkrankt, muss befürchten mindestens ein weiteres Mal zu erkranken. Das war in früheren Zeiten anders, damals erkrankten die allermeisten Menschen nur einmal. Möglicherweise ist die derzeit empfohlene Therapiemethode, bei der antidepressive Medikamente über einen sehr langen Zeitraum verschrieben werden, für die veränderte Situation verantwortlich. Antidepressive Medikamente können eine körperliche Abhängigkeit verursachen, aus der sich eine Depressionsspirale ergeben kann.