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Am Dienstag, den 1. Oktober 2019 findet die dritte Herforder Tagung über Depressionen und den Umgang mit Antidepressiva in der Volkshochschule Herford statt. Schwerpunkte sind in diesem Jahr:

  • Wie kann man die Medikamente reduzieren, ohne daran zu scheitern?
  • Was ist von der Therapiemethode Elektroschock zu halten?

Die Tagung wird von dem Verein für psychosoziale Arbeit in Herford „Die Klinke e. V.“ organisiert. Die Tagungsgebühr beträgt 50 Euro.

Die Anmeldung erfolgt über die Volkshochschule Herford, es stehen nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung. Zur Anmeldung

Hier können Sie den
Flyer herunterladen.

tagung herford 2019

Das Programm:

9:00 - 9:15 Wolf Müller Maria Canovai Begrüßung, Einführung in die Tagung Begrüßung durch WGSP, Hinweise

9:15 - 9:30 Hildegard Weigand Hilflosigkeit der Psychiatrie – Beziehung als Kern der Behandlung

9:30 - 10:15 Dr. Peter Ansari „Sanfter“ Entzug – Wie geht das

10:15 - 10:30 Kaffee-Pause

10:30 - 10:45 Klanggeflüster Musikalische Einlage

10:45 - 11:45 Pauline Dinkelberg, Dr. Peter Groot Paul Harder, Verantwortungsvolle Reduzierung von Medikamenten – Unterstützung durch den Verein für Medikamentenentzug Maastricht Ausschleichen von Antidepressiva mit Tapering-Strips

11:45 - 12:15 Lucia Wolf Einsatz von Homöopathie – Unterstützung des Entzugs von Antidepressiva

12:15 - 12:30 Klanggeflüster Musikalische Einlage

12:30 - 13:30 Mittagspause

13:30 - 13:45 Klanggeflüster Musikalische Einlage

13:45 - 14:15 Julia Lippert Diagnose- und Behandlungsdschungel: „EKT“ am eigenen Leib – Erfahrungswissen

14:15 - 14:45 Dr. Wolf Müller Klinische Praxis: Elektroschocks in den 70er Jahren – Expertenwissen

14:45 - 15:30 PD. Dr. Jann Schlimme Zur Studienlage der Anwendung der „EKT“ – die Psychiatrie braucht die „EKT“ nicht

15:30 - 15:45 Klanggeflüster Musikalische Einlage

15:45 - 16:15 Kaffee-Pause

16:15 - 17:00 Dr. Peter Lehmann Wiederkehr des Elektroschocks – Argumente gegen den Einsatz der sogenannten Elektrokonvulsions – „Therapie“

17:00 - 18:00 N. N. Alle Beobachtungen zur Tagung von Psychiatrie-Erfahrenen Gespräch und Diskussion mit dem Publikum

  

In vielen Kliniken wird schwer depressiven Patienten schnell eine EKT empfohlen, wenn Antidepressiva keine Wirkung gezeigt haben oder die Medikamente zu viele ungünstige Nebenwirkungen verursacht haben - ohne die Depression gebessert zu haben.

Am vergangenen Montag hatte der Psychiater Dr. Wolf Müller zu einer Fortbildung in die VHS Herford eingeladen. Drei Niederländer präsentierten „Taperingstrips“, das ist eine Methode, mit der man schrittweise Antidepressiva und andere Medikamente reduzieren (ausschleichen) kann. Der Name setzt sich zusammen aus den Worten „to taper“ (engl.) = reduzieren, ausschleichen und „Strip“ (engl.) Streifen.

In der April-Ausgabe der Apotheken Umschau präsentiert sich das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) als Leuchtturm der psychiatrischen Spitzenforschung. Wenn man dem Bericht glaubt, dann stehen wir an der Schwelle zu bedeutenden Neuigkeiten und werden schon bald einen Bluttest nutzen, der nicht nur erkennt unter welcher psychiatrischen Diagnose ein Patient leidet, sondern – jetzt kommt der Knüller: welche Therapie in diesem Fall am besten hilft.

Kann man über Depressionen berichten und einen "anderen" Ansatz verfolgen? Die Redakteurinnen Svenja Kiehne, Paulina Würffel, Helena Will hatten "Unglück auf Rezept" gelesen und entschieden: So kann es mit der Berichterstattung über Depressionen und Antidepressiva nicht weitergehen. Sie stellten eine Sendung auf die Beine und luden als Gäste Frauke Gonsior (vom Blog Fräuleins wunderbare Welt) und Dr. Peter Ansari ein:

„Todesursache unbekannt“

heißt eine sehenswerte Dokumentation bei Arte über Psychopharmaka. Die norwegische Filmemacherin Anniken Hoel wühlte der Tod ihrer 34 Jahre alten Schwester auf. Diese verstarb in einer klinischen Einrichtung und hatte die Diagnose Schizophrenie erhalten. Auf dem Totenschein der Schwester steht „Todesursache unbekannt“. Zuletzt nahm sie fünf Psychopharmaka gleichzeitig ein. Wie kann es sein, fragt die Filmemacherin, dass eine 34-jährige Frau, plötzlich „einfach so umfällt“ und tot ist. In der gut recherchierten Dokumentation wird die Rolle der Pharmaindustrie kritisch hinterfragt.

Dokumentarfilm 53 Minuten in der Arte-Mediathek bis zum 01.05.2019 zu sehen.

Arte Mediathek
Todesursache unbekannt

Team Wallraff Psychiatrie Frankfurt-Höchst: „16 Sekunden nimmt sich der Chefarzt für einen neuangekommenen depressiven Patienten. Auf dem Flur heißt es: „Naja, sie sind ja depressiv, ne? Müsse wir jetzt gucken, dass wir ihre Medikation einstellen, dass sie da irgendwann wieder rauskommen. Auf Wiedersehen.“ (Quelle).
Das Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie in Frankfurt-Höchst ist kein Einzelfall. Die Reporter vom TeamWallraff waren auch in Stuttgart im Krankenhaus Furtbach und in Berlin im Vivantes Klinikum.

Was hat sich eigentlich in den letzten drei Jahrzehnten für depressive Patienten verändert?

Manchmal veröffentlichen Forscher Nachrichten, die unmissverständlich aussagen, dass es so nicht weiter gehen kann. Aktuell haben Wissenschaftler um Matthew C. Keller von der Universität Colorado bewiesen, dass der ganze Hype um Depressionsgene und mögliche pharmazeutische Wirkstoffen, die daraus entwickelt werden könnten – nicht mal die Spur einer wissenschaftlichen Grundlage hat.

was war was wird

Gehirn und Geist 04/2019: Machen Antidepressiva abhängig?

Der Wissenschaftsjournalist Janosch Deeg hat Prof. Uwe Gonther und Mitglieder des ADFD-Forums interviewt. Er schreibt: Immer mehr spricht dafür, dass Ärzte Entzugserscheinungen, die von Antidepressiva verursacht werden unterschätzt haben. Der Volltext ist über diesen Link kostenlos verfügbar:
Gehirn und Geist 04/2019
Machen Antidepressiva abhängig?

Der gutaussehende und sportliche junge Mann A. war gerade 29 Jahre alt geworden und fühlte sich verloren. Er hatte einen Universitätsabschluss, eine Stelle bei einer renommierten Firma und eine liebevolle Familie. In seiner Krise suchte er Hilfe beim Psychiatrischen Krisen Zentrum (PKZ).

Bei diesem ersten und einzigen Besuch von 90 Minuten verschrieb ihm der diensthabende Psychiater ein Antidepressivum (SSRI) ohne Beipackzettel und schickte ihn nach Hause. Er solle sich in acht Tagen wieder vorstellen. Der behandelnde Arzt entschied weder seine Geschwister noch seine Eltern zu informieren. Am übernächsten Tag erhielt der Vater Nachricht von A’s Sturz aus dem sechsten Stock. A. war sofort tot; die erwartungsvolle Zukunft durchschnitten.

Das NDR-Magazin Visite berichtete im Januar 2019 über die Nebenwirkung: Suizidgedanken, die von Antidepressiva verursacht werden können.

Die Redakteurin Jutta Rosbach hat Einblick in eine offizielle Datenbank erhalten. Diese dokumentiert, dass Patienten, die zuvor noch nie an Suizid dachten, nach der Einnahme von Antidepressiva eine Fremdsteuerungs-Wahrnehmung entwickelten und Suizidversuche durchführten.

Die Gesprächspartner von Rosbach sind Professor Bruno Müller-Oerlinghausen und Professor Tom Bschor. Das Fazit lautet: Ärzte, die nur ein Rezept ausstellen, ohne den Patienten im Blick zu behalten, handeln fahrlässig.

Zum Mediathek Beitrag
NDR Visite

Zu den interessantesten Büchern über Antidepressiva des vergangenen Jahres zählt Tom Bschors Antidepressiva – Wie man sie richtig anwendet und wer sie nicht nehmen sollte.

Bereits im Untertitel findet sich ein Tabubruch, denn kein anderer deutscher Psychiatrieprofessor würde schreiben: Es gibt Menschen, die sollten lieber keine Antidepressiva einnehmen. Viel verbreiteter ist die Empfehlung: Nehmen Sie Antidepressiva: Gegen Depressionen, gegen Überlastung, gegen Zwänge, gegen Phobien, gegen Sorgen, gegen Wechseljahre Beschwerden, gegen chronische Schmerzen, gegen Fibromyalgie, gegen Arbeitslosigkeit, gegen Suchterscheinungen, gegen Trauer oder Lebenskrisen.  – Tatsächlich werden aktuell 1,5 Milliarden Tabletten Antidepressiva pro Jahr in Deutschland verschrieben. Damit könnten 5 Prozent der Bevölkerung versorgt werden.

Wie kann man helfen, wenn jemand unter depressiven Verstimmungen leidet, aber gegenüber Tabletten kritisch eingestellt ist? Gibt es da nichts außer Sport und Psychotherapie?

Eine sehr einfache und wirksame Methode ist die Massage. In dem Buch „Berührung – Warum wir sie brauchen und wie sie uns heilt“ haben der Berliner Charité Arzt Müller-Oerlinghausen und die Körpertherapeutin Gabriele Mariell Kiebgis ihre Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zusammengefügt. Herausgekommen ist ein tiefsinniges Buch, das den Spagat zwischen theoretischer Unterfütterung und praktischer Anleitung wagt.

der neue Houellebecq ist unangepasst, unanständig und stimmt sehr nachdenklich. Depression-Heute beschränkt sich hier auf die Aussagen zu Serotonin – in wissenschaftlicher Hinsicht.

Warum heißt der Roman Serotonin?

Houellebecq hat sich für den Roman ein neuartiges Antidepressivum ausgedacht, das den Namen Captorix trägt. Es erhöht die Serotoninkonzentration im Körper. Die Hauptfigur des Romans, der 46-jährige Florent-Claude Labrouste, ein Berater im Landwirtschaftsministerium, nimmt dieses Medikament jeden Morgen ein.

Manche Patienten beruhigt es, wenn der Psychiater ihnen erklärt: Sie leiden unter einer Stoffwechselstörung / Serotoninmangel / Cortisolüberschuss / … da helfen Tabletten …

Aber was ist dran an den Versprechen der „biologischen Psychiatrie“? Kann man messbare Substanzen korrigieren und die Depression der Patienten hört auf, wenn das gelungen ist?

Auf welchem Stand befindet sich die biologische Psychiatrie im Jahr 2019? Gibt es mittlerweile ein funktionierendes Modell, das in der Lage ist, Depressionen mit biologischen Werten abzubilden?