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Weltglückstag – Serotoninlüge – Fake Wissenschaft

Die Serotoninlüge

Am Weltglückstag liest man in allen Zeitungen Nachrichten über das Glück und seine Bestandteile. Obwohl Serotonin und Glück keine Verbindung besitzen, behaupten Journalisten, Serotonin wäre ein Glückshormon. Aber warum eigentlich?

Die Serotoninlüge

Die Serotoninlüge ist genauso falsch wie beliebt. Noch nie konnte ein Forscher ein glückähnliches Verhalten mit viel Serotonin in Verbindung bringen.

Den 20. März haben die Vereinten Nationen zum Weltglückstag erklärt. Deshalb versuchen heute Journalisten dem Glück eine wissenschaftliche Basis zu geben. Die schlechtinformierten landen bei der Serotoninlüge.

Einem Mythos, den sich die Pharmaindustrie ausgedacht hat, um mehr Antidepressiva zu verkaufen

Durch geschickt lancierte Botschaften und mithilfe des New Yorker Psychiaters Peter Kramer gelang es den Marketingabteilungen der Pharmahersteller, ihren Pillen eine neue Bedeutung zu geben. Fortan sollten diese nicht nur die Stimmung von depressiv Erkrankten verbessern, sondern auch „normale“ Menschen glücklicher machen. In den frühen 90er Jahren wurde die Idee der Hapyy-Pills geboren und es wurde erklärt, dass Serotonin der Treibstoff für das Glücks sei.

Jedoch hatte diese Theorie zu keinem Zeitpunkt eine wissenschaftliche Basis. Wissenschaftler hatten noch nie ein Verhalten beschrieben, das viel Serotonin und Serotonin in Verbindung brachte. Wenn überhaupt, konnte man Endorphine, Oxytocyn oder Dopamin mit Glück in Verbindung bringen – aber kein Serotonin. Doch das störte niemanden. Die Theorie war geboren und man konnte damit mehr antidepressive Tabletten verkaufen, das Ziel war erreicht.

Mittlerweile hat sich die Botschaft verselbständigt. Wir lesen zum Weltglückstag in allen Zeitungen fröhlich zurechgeschwurbelte Botschaften, die Sonne und Glück verbinden und das ganz auf Serotonin basieren lassen.

„Je weniger Melatonin gebildet wird, desto besser kann Serotonin wirken. Serotonin gilt als „Glückshormon“. Depressive leiden unter einem Mangel daran. Je mehr Licht, desto mehr Serotonin. Der Frühling ist also eine kostenlose Lichttherapie.“ Das liest man hier, hier, hier, hier und und und.

Warum soll man so etwas glauben? Ist die Erde vielleicht doch eine Scheibe?

Depression-Heute: Wenn es einen Namen dafür geben sollte, müsste man es Fake Wissenschaft nennen.
Erster Fehler: Depressive Patienten leiden nicht unter einem Serotoninmangel, viele haben sogar höhere Werte als „gesunde“ Menschen.
Zweiter Fehler: Wer viel Serotonin im Gehirn hat, ist nicht glücklicher, sondern es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er unter einer sexuellen Funktionsstörung leidet.

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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