Pfizer musste für die Zulassung von Zoloft bei Jugendlichen zwei positive Studien bei der US-Gesunheitsbehörde einreichen. Jedoch schnitt Zoloft in beiden Studien schlechter ab, als das Placebo.

pfizer-zoloft

Die negativen Studien "verschwinden"

Mit gekauften Studien verschiebt sich das Verhältnis von positiven und negativen Studien. Bei den unabhängigen Studien hatte Zoloft in 44 Prozent der Fälle einen positiven Effekt.

Zusammen mit den gekauften Studien, hatte Zoloft in 76 Prozent der Studien ein positiver Effekt.

Von den ursprünglich 106 Studien wurden 10 entfernt, so dass insgesamt 96 Studien geprüft wurden. Weitere Einzelheiten dazu finden sich in der Studie.

Pfizer entschied darauf die beiden Studien zusammenzufügen und daraus eine positive Studie zu erfinden. Diese erschien im amerikanischen Ärzteblatt. In dieser Studie wurde das Medikament als sicher und effizient beschrieben. 

Bericht des Wall Street Journals

Aber tatsächlich traten innerhalb der Zoloft-Gruppe doppelt so viele Verhaltensschwierigkeiten auf, wie unter der Placebo-Medikation. Zusätzlich zeigten die Zoloft-behandelten Patienten eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit die Studie abzubrechen.

Dies war nicht der einzige Fall, bei dem Pfizer manipulierte.

Innerhalb von drei Jahren wurden von insgesamt 106 wissenschaftlichen Studie über Zoloft 55 Studien von einer Medizinischen Agentur geschrieben. Alle 55 Paper fielen zugunsten von Zoloft aus. Nur 41 Studien kamen von anderen Autoren.

Noch eifriger war Pfizer bei der Vermarktung von Zoloft als Anti-Schizophrenie-Mittel. Pfizer liess dafür aus vier klinischen Studien 234 wissenschaftliche Artikel anfertigen.

Pfizer macht aus 4 Studien 234 Veröffentlichungen

Eine neue Auswertung der Zulassungsdaten von Zoloft zeigte 2013, dass Zoloft als Antidepressivum nicht besser wirkte, als ein Placebo.

Aufgrund dieser "Fehlinformation" ist derzeit ein Gerichtsverfahren gegen Pfizer anhängig, mit dessen Hilfe dem Wirkstoff die Marktzulassung entzogen werden soll. Hier können Sie die Anklageschrift lesen.

Auf die Situation in Deutschland zeigen diese Erkenntnisse keinen Einfluss. Der Wirkstoff Sertralin ist der am fünfthäufigsten verschriebene Wirkstoff bei Depressionen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Verordnung im Jahr 2012 um 20,9 Prozent. Bundesweit wurden 82,6 Millionen Tagesdosen mit dem Wirkstoff Sertralin verordnet.