Nach dem Auslaufen des Patents für Citalopram im Jahr 2002 erfand die Firma Lundbeck den Wirkstoff Escitalopram (Handelsname Cipralex). Der Wirkstoff ist derselbe, dennoch wurde ein Patentschutz gewährt, der Wirkstoff konnte 19mal teurer verkauft werden und meinungsführende Psychiater bescheinigten dem "neuen" Wirkstoff eine deutlich bessere Wirkung.

citalopram-escitalopram

Weder biochemisch, noch klinisch zeigt sich ein Unterschied

 Die Wirkstoffe Escitalopram und Citalopram sind nicht verschieden

Oder anders gesagt: Escitalopram gab es schon immer. Dieser Wirkstoff wurde und wird noch immer an alle Käufer von Cipramil verschenkt. Er entsteht beim Herstellungsprozess von Citalopram. Die Hälfte von Citalopram ist schon immer Escitalopram gewesen. Der einzige Unterschied ist der Preis. Lundbeck verkaufte Escitalopram bis zu 19mal teurer als Citalopram.

Infomed.ch schrieb dazu:
"Mit Escitalopram wird die Mode fortgesetzt, dass von bewährten razemischen Substanzen, deren Patent ausläuft, das aktive Stereoisomer als neue Wirksubstanz lanciert wird. Die Idee, dass mit dem Wegfall des «inaktiven» Stereoisomers weniger Nebenwirkungen oder Interaktionen auftreten könnten, mag von der Theorie her durchaus einleuchtend erscheinen. Doch in der klinischen Anwendung ist auch bei Escitalopram bislang nicht zu erkennen, weshalb es der razemischen Muttersubstanz überlegen sein soll. Im Vergleich mit Citalopram bietet Escitalopram weder von den Nebenwirkungen noch vom Interaktionspotential her Vorteile."
Quelle: Infomed.ch

In Deutschland reagierte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erst sehr spät auf diesen - erstaunlicherweise als Innovation - bezeichneten Wirkstoff von Lundbeck und ordnete im Februar 2011 Escitalopram in dieselbe Wirkstoffgruppe wie Escitalopram ein.

Das Fazit des G-BA lautete:
Der Unterausschuss „Arzneimittel“ hat die in den Stellungnahmen angeführten Argumente gründlich geprüft. Es liegen keine Belege vor, die eine signifikante und klinisch relevante therapeutische Verbesserung von Escitalopram vs. Citalopram zeigen.

hier finden Sie die umfassend begründete 158-seitige Studie des G-BA

Lundbeck klagte gegen die Entscheidung des G-BA. Nach Ansicht des Untennehmens:

  • stellt Escitalopram eine therapeutische Verbesserung dar
  • gelingt durch Escitalopram ein früherer Wirkungseintritt
  • zeigt Escitalopram weniger Nebenwirkungen
  • ist Escitalopram bei schwer Depressiven therapeutisch überlegen.

Hier finden Sie die Klageschrift von Lundbeck

Lundbecks Anwälte hätten die therapeutische Überlegenheit von Escitalopram beweisen müssen, doch die Datenlage war eindeutig. Daher bestätigte das LSG Berlin-Brandenburg die Einschätzung des G-BA.

Hier nachzulesen

Im Jahr 2012 kostete Cipralex durchschnittlich viereinhalb mal so viel wie Citalopram-Produkte. Kein prominenter deutscher Universitätspsychiater kommentierte die Preis- und Innovationspolitik von Lundbeck.