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Siebenmal mehr Antidepressiva als 1991

Versiebenfachung der Antidepressiva

Antidepressiva werden immer häufiger verschrieben.

Versiebenfachung der Antidepressiva

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Menge der verschriebenen Antidepressiva versiebenfacht. Im Jahr 2014 wurden 700 Prozent mehr Tagesdosen Antidepressiva verordnet, als noch im Jahr 1991 – ohne dass die Bevölkerung gewachsen ist. Die Grafik zeigt ebenfalls, dass sich an der Verordnung von Neuroleptika und Tranquilizern (vorrangig Benzodiazepine) im selben Zeitraum nichts geändert hat. (Quelle: Arzneiverordnungs-Report, Zusammenstellung der Zahlen und Anfertigung der Grafik: Depression-Heute).
Diese Grafik darf gerne mit Hinweis auf die Quelle: Depression-Heute.de weiterverbreitet werden.

Die Menge an verordneten Antidepressiva stieg im Zeitraum von 1991 bis 2014 um 700 Prozent an.

Immer mehr Menschen in Deutschland nehmen Antidepressiva. Die Zahl der Antidepressiva-Konsumenten stieg von 197 Mio Tagesdosen im Jahr 1991 auf 1401 Tagesdosen im Jahr 2014 (Quelle: Arzneiverordnungs-Report).

Konstant blieb hingegen die Menge an verordneten Neuroleptika und Tranquilizern. Das heißt, bei immer mehr Menschen wird eine Depression diagnostiziert und diese Menschen werden mit Antidepressiva behandelt, wohingegen die Erkrankung Schizophrenie, die grundsätzlich mit Neuroleptika behandelt wird, nicht häufiger diagnostiziert wird.

Trotz der starken Zunahme von Antidepressiva-Verschreibungen sind nicht weniger Menschen depressiv. Im DAK Gesundheitsreport 2016 sind psychische Erkrankungen die dritthäufigste Ursache für Fehltage. Die Techniker Krankenkasse berechnete von 2006 bis 2014 eine Zunahme der Fehltage wegen Depressionen um 86 Prozent. Auch die Frühberentungen aufgrund von psychischen Erkrankungen sind seit 1990 kontinuierlich angestiegen. Depressionen machen den größten Anteil innerhalb der Gruppe der psychischen Erkrankungen aus.

Das legt die Vermutung nahe: Eine dauerhafte Antidepressiva-Einnahme chronifiziert eine Depression.

Der amerikanische Psychiater Rif S. El-Malakh nennt dieses Phänomen tardive Dysphorie. Er geht davon aus, dass viele Menschen, die zu Beginn positiv auf Medikamente reagieren, bei dauerhafter Einnahme in eine Dauerdepression geraten.

Eine weitere Erklärung für die Zunahme der Antidepressiva-Verordnung liefert das Phänomen der Abhängigkeit. Depressiven Patienten ist das Phänomen bestens bekannt. 80 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gaben an, dass Antidepressiva eine Sucht erzeugen. Depression-Heute liegen zahlreiche Berichte von Menschen vor, denen es trotz größter Anstrengung und Reduzierung in kleinsten Schritten nicht gelungen ist, die Medikamente abzusetzen. Die Reduzierungsschritte verursachen bei vielen psychische Ausnahmezustände. Der italienische Psychiater Giovanni Fava schreibt, dass Symptome, die beim Antidepressiva-Entzug auftreten, vergleichbar sind mit den Symptomen, die beim Heroinentzug auftreten.

Depression-Heute: Gibt es wirklich sieben Mal so viele depressive Menschen in Deutschland, wie vor 25 Jahren?

Über den Autor

Dr. Peter Ansari

Autor und Depressionsforscher

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