Die Zeitschrift MYWAY hat in ihrer Ausgabe Oktober 2017 Peter Ansari für die Frage: "Wie kommmt man aus dem Stimmungstief" interviewt. Das Gespräch führte Dr. Stefanie Maeck:

MyWay 10/2017 Unglück auf Rezept

Die Zeitschrift MYWAY empfiehlt bei Depressionen Wohlfühlen statt Pillen.

Der Mediziner Dr. Peter Ansari hat in seinem Buch „Unglück auf Rezept“ Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Antidepressiva kritisiert. Er findet, dass Ärzte zu schnell solche Medikamente verschreiben und zu wenig über Nebenwirkungen informieren. Inzwischen setzt auch unter Fachleuten ein Umdenken ein und man spricht offen über alternative Behandlungen von leichten Depressionen. Der Lebensstil wird dabei wichtig Dr. Ansari, warum wurden Antidepressiva bei uns eigentlich so erfolgreich?

Ansari: Der Hype kam von Amerika herüber. Anfang der 1990er schwappte er zu uns: Heute werden Antidepressiva wie Bonbons sogar von Hausärzten verschrieben – bei im Grunde nichtigen Anlässen – jemand fühlt sich bedrückt wegen einer Trennung oder ein Student erhält die Pillen, weil er morgens nicht aus dem Bett kommt. In einer Zeit, in der sich alle selbst optimieren, fällt es offenbar schwer anzunehmen, dass das Traurige zum Leben gehört. Meine langjährige Recherche ergab, dass es Medikamente, die eine Depression beenden, gar nicht gibt. Einige unterdrücken Symptome, aber gezielt gegen eine Depression vorgehen kann man mit ihnen nicht.

… hinzu kommen die Nebenwirkungen

Ansari: In der Tat! Häufige Nebenwirkungen sind Schluckbeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und sexuelle Unlust. Das größte Problem aber ist, dass die Menschen glauben, durch die Medikamente höre die Verstimmung von selbst auf. Jedes Tief enthält aber auch eine wichtige Botschaft und durch Pillen wird die Auseinandersetzung eher unterbunden. Viele Menschen, denen heute Antidepressiva verschrieben werden, leiden eigentlich nur unter Sorgen. Die sexuellen Funktionsstörungen, die durch die Medikamente ausgelöst werden, führen die Leute oft richtig in den Abgrund, weil ihre Beziehung auch noch leidet. Das Unglück beginnt dann beim Versuch, die Pillen abzusetzen.

Was passiert?

Ansari: Einige Menschen werden regelrecht schlaflos und drehen beinahe durch. Auch kann es zu stromschlagartigen Entladungen im Gehirn kommen. Anderen ist schwindelig und sie müssen 2 bis 3 Wochen krankgeschrieben werden. Junge Leute ziehen häufig zu ihren Eltern. Ihnen geht es wie auf Entzug. In dieser Lage fangen sie erneut mit den Medikamenten an. Die Nebenwirkungen werden als Beleg genommen, dass der Betroffene psychisch krank ist: Ich nenne das die Depressionsspirale.

Kann man ein Stimmungstief alternativ behandeln?

Ansari: Ja, es macht Sinn, ganzheitlich auf den Lebensstil zu schauen. Sport und Ernährung helfen. Sich aber nur damit abzulenken, finde ich falsch. Wenn man sich selbst kennenlernt, ist das nützlich. Meditation unterstützt dabei. Auch ist es wichtig, dass man weiß, was einen zum Abstürzen bringt und Notfall-Listen hat, was einem gut tut. Wer sich selbst kennt, kann präventiv gegensteuern. Wir dürfen übrigens vertrauen, dass niemand für immer depressiv ist. Gut hilft das Motto: „Erkenne Dich selbst und lebe mit Dir in Einklang“ Ein echtes Glücksrezept.

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MYWAY 10/2017