Lundbeck – Cipralex ist Cipramil – wird aber zum 19fachen Preis verkauft
Ein Beitrag von Dr. Peter Ansari
Nach dem Auslaufen des Patents für Citalopram im Jahr 2002 erfand die Firma Lundbeck den Wirkstoff Escitalopram (Handelsname Cipralex). Der Wirkstoff ist derselbe, dennoch wurde ein Patentschutz gewährt, der Wirkstoff konnte 19-mal teurer verkauft werden, und meinungsführende Psychiater bescheinigten dem „neuen“ Wirkstoff eine deutlich bessere Wirkung.

Die Wirkstoffe Escitalopram und Citalopram sind nicht verschieden.
Oder anders gesagt: Escitalopram gab es schon immer. Dieser Wirkstoff wurde und wird noch immer an alle Käufer von Cipramil verschenkt. Er entsteht beim Herstellungsprozess von Citalopram. Die Hälfte von Citalopram ist schon immer Escitalopram gewesen. Der einzige Unterschied ist der Preis. Lundbeck verkaufte Escitalopram bis zu 19-mal teurer als Citalopram.
„Mit Escitalopram wird die Mode fortgesetzt, dass von bewährten razemischen Substanzen, deren Patent ausläuft, das aktive Stereoisomer als neue Wirksubstanz lanciert wird. Die Idee, dass mit dem Wegfall des ‚inaktiven‘ Stereoisomers weniger Nebenwirkungen oder Interaktionen auftreten könnten, mag von der Theorie her durchaus einleuchtend erscheinen. Doch in der klinischen Anwendung ist auch bei Escitalopram bislang nicht zu erkennen, weshalb es der razemischen Muttersubstanz überlegen sein soll. Im Vergleich mit Citalopram bietet Escitalopram weder von den Nebenwirkungen noch vom Interaktionspotenzial her Vorteile.“
In Deutschland reagierte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erst sehr spät auf diesen – erstaunlicherweise als Innovation bezeichneten – Wirkstoff von Lundbeck und ordnete im Februar 2011 Escitalopram in dieselbe Wirkstoffgruppe wie Citalopram ein.
Das Fazit des G-BA lautete: Der Unterausschuss „Arzneimittel“ hat die in den Stellungnahmen angeführten Argumente gründlich geprüft. Es liegen keine Belege vor, die eine signifikante und klinisch relevante therapeutische Verbesserung von Escitalopram vs. Citalopram zeigen.
Lundbeck klagte gegen die Entscheidung des G-BA. Nach Ansicht des Unternehmens:
- stellt Escitalopram eine therapeutische Verbesserung dar,
- gelingt durch Escitalopram ein früherer Wirkungseintritt,
- zeigt Escitalopram weniger Nebenwirkungen,
- ist Escitalopram bei schwer Depressiven therapeutisch überlegen.
Lundbecks Anwälte hätten die therapeutische Überlegenheit von Escitalopram beweisen müssen, doch die Datenlage war eindeutig. Daher bestätigte das LSG Berlin-Brandenburg die Einschätzung des G-BA.
Im Jahr 2012 kostete Cipralex durchschnittlich viereinhalbmal so viel wie Citalopram-Produkte. Kein prominenter deutscher Universitätspsychiater kommentierte die Preis- und Innovationspolitik von Lundbeck.
AbsetzberatungSie denken über das Absetzen Ihrer Medikamente nach?
Unsere Praxis berät Sie telefonisch zum Absetzen von Antidepressiva und anderen Psychopharmaka – als Ergänzung zum Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, nicht als Ersatz dafür. Absetzentscheidungen treffen Sie am besten gemeinsam.
