Irrtum: Eine medikamentöse Dauertherapie schützt vor Rückfällen

Arbeiten mit Antidepressiva

Die Abbildung zeigt einen Anstieg der Rückfälle unter antidepressiver Dauermedikation, Patienten die dauerhaft keine Medikamente einnahmen hatten seltener depressive Rückfälle (Hippius und Angst 1969). Links Imipramin, Mitte Lithium, Rechts Kontrollgruppe.

Die Behauptung: "Eine Dauertherapie mit Antidepressiva schützt vor Rückfällen"

Viele Psychiater versichern, dass eine medikamentöse Dauertherapie vor Rückfällen schützt.

Fakten:
Antidepressiva gibt es seit 1957. Bis zum Jahr 1990 existierte jedoch keine Studie, die zeigte, dass eine Dauertherapie Rückfälle verhindern kann.

Obwohl entsprechende Versuche, von mehreren Forschern ab dem Jahr 1958 angekündigt und durchgeführt wurden.

Alle Versuche, bei dauermedikamentierten Patienten weniger Rückfälle zu messen, scheiterten.

33 Jahre lang zeigte keine Studie, einen positiven Effekt bei einer medikamentöse Dauertherapie von depressiven Patienten.

Die beiden wichtigsten deutschsprachigen Fürsprecher von Antidepressiva schrieben im Jahr 1969:

"Schließlich ist immer wieder auch versucht worden, die trizyklischen Antidepressiva als langfristige Dauermedikation zur Phasenprophylaxe zu geben. Diese Versuche sind jedoch zumeist unbefriedigend verlaufen, so daß man […] ganz auf sie verzichten sollte." (Hippius und Angst 1969)

Die Forscher beobachteten unter Dauertherapie eine Erhöhung der depressiven Rückfälle.

Die erstaunlichste Tatsache der "erfolgreichen" Dauertherapie ist jedoch, dass die Studie, in der erstmals im Jahr 1990 eine Überlegenheit durch eine antidepressive Medikation behauptet wurde, dasselbe Medikament verwendete, das auch 1958 und 1969 eingesetzt wurde. Es handelte sich um das Trizyklikum Imipramin.

Demnach verhinderte Imipramin zwischen 1957 und 1969 in keinem Fall das erneute Auftreten von Depressionen, stattdessen zeigte sich sogar eine Erhöhung. Von 1990 bis 1996 soll dann die dauerhafte Einnahme von Imipramin vor dem erneuten Auftreten einer Depression geschützt haben. Schwer zu verstehen ist jedoch, dass aktuell der Anteil von Patienten, die mit dem Antidepressivum Imipramin behandelt werden nur 0,18 Prozent beträgt (2,4 Millionen Tagesdosen im Jahr 2012).