Manche Promis erklären in Interviews, dass sie ganz viel von dem „Glückshormon Serotonin“ besitzen. Aber was bedeutet das wirklich? Sind diese Menschen dann besonders glücklich? Nein, sie sind ein medizinischer Notfall.

Serotonin-Unglück

So sieht ein Mensch aus, der viel Serotonin im Körper hat: Das Gesicht und der Hals sind stark gerötet (Flush). Dazu kommen anfallsartige Hitzewallungen. Glückshormon? Fehlanzeige

Egal ob SZ, FAZ, Welt, Bild, Spiegel oder Bunte. Alle großen Medien berichten regelmäßig über das „Glückshormon Serotonin“ und häufig wird den Lesern geraten „das Serotonin“ durch gezielte Ernährung zu erhöhen.

Aber warum soll Serotonin ein Glückshormon sein? Haben Forscher das jemals gemessen?

Nein, das hat noch nie jemand gemessen. Dieses Denken basiert auf der Serotoninlüge.

Echte Messergebnisse über die Biochemie des Glücks stammen von der US-Forscherin Helen Fisher. Die Anthropologin hat die Gehirnbiochemie von frischverliebten Menschen untersucht. Dabei stellte fest, dass in diesem Zustand nur ganz wenig Serotonin im Gehirn vorliegt. Sie stellte ebenfalls fest, dass die Serotoninkonzentration niedrig war, auch wenn das Glück zerbrochen war (Quelle).

Ist Serotonin denn immer nur niedrig? Weiß man überhaupt was passiert, wenn "das Serotonin" hoch ist? Vielleicht ist das ja tatsächlich ein Zustand, bei dem die Menschen besonders glücklich sind?

Ja, man weiß was passiert, wenn die Serotoninkonzentration stark erhöht ist. Aber: diese Menschen sind nicht glücklich, sondern schwer krank.

Serotonin kann an zwei Orten im Körper erhöht sein: Im Blut und im Gehirn. Diese beiden Bereiche sind durch die Blut-Hirnschranke getrennt, durch diese Barriere gelangt kein Serotonin-Molekül.

Gehirn

Wenn das Serotonin im Gehirn stark erhöht ist, leiden die Menschen unter einem
Serotoninsyndrom (Quelle)
Das ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall.
Die Symptome sind:

  • Zittern quälenden Unruhezustände
  • erhöhte Muskelspannung
  • Zuckungen
  • Krampfanfälle und
  • sehr hohes Fieber, das zum Tod führen kann.

Das Serotoninsyndrom entsteht nie aus natürlichen Ursachen, sondern wird ausschließlich durch antidepressive Medikamente ausgelöst – aber auf diese Gefährdung werden Patienten normalerweise nicht hingewiesen, wenn Ihnen antidepressive Medikamente zur Therapie angeboten werden.

Blut (Körper ohne Kopf)

Wenn das Serotonin im Blut stark erhöht ist, leiden die Menschen unter dem
Karzinoidsyndrom (Quelle)
Dabei sind die EC-Zellen im Magen-Darm-Trakt von Krebs befallen und produzieren unentwegt Serotonin. Der Serotoninwert im Blut kann dadurch um das 1000fache erhöht sein (nur bei Verdacht auf Karzinoidsyndrom ordnen Ärzte eine Messung der Serotoninkonzentration an. Für alle anderen Erkrankungen ist die Serotoninkonzentration bedeutungslos).

Die Symptome sind:

  • Rötung von Gesicht und Hals (Flush)
  • anfallsweise Hitzewallungen
  • Schwitzen
  • beschleunigte Atmung
  • Asthmaanfälle
  • Herzrasen
  • schubweise starke Bauchschmerzen
  • starke Durchfälle und
  • Gewichtsverlust

 

Depression-Heute: Wenn das Serotonin im Körper überschießt, sind Serotoninsyndrom oder Karzinoidsyndrom die Folgen. Das ist kein Freudenfest und auch kein besonderer Glücksmoment, beides sind medizinische Notfälle, die sofort behandelt werden müssen.

Man kann sich nur wundern, weshalb kaum jemand weiß, dass viel Serotonin immer nur gefährlich ist und keinen positiven Aspekt aufweist. Aber wer etwas weiter darüber nachdenkt erkennt: Wenn dieses Wissen weier verbreitet wäre, würden weniger Menschen serotoninsteigernde Medikamente einnehmen, die besser unter dem Namen Antidepressiva bekannt sind. Denn wer würde schon gerne seinen Serotoninspiegel anheben lassen, wenn er wüsste, dass bei bei sehr gutem Gelingen das Serotoninsyndrom herauskommt?