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Antidepressiva werden häufig als "happy pills" oder Glückspillen bezeichnet. Aber auf welche Substanzen im Körper sollen sie wirken? Welche biologischen Substanzen zeigen am häufisten eine Verbindung zum Glück? Als Kandidaten gelten in den meisten Fällen die Stoffe: Dopamin, Serotonin, Oxytocin.

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Ist Glück ein kurzzeitiger Moment, der häufiger auftritt oder ist Glück ein dauerhafter Zustand, den man chemisch beeinflussen kann?

Wenn Forscher über „Glückshormone“ oder „Glücksbotenstoffe“ reden, dann geht es in den allermeisten Fällen um das Dopamin

Dopamin wird aus der Aminosäure Tyrosin gebildet und ist vor allem im Nucleus accumbens, dem Striatum und dem Tegmentum vorhanden. Im Gegensatz zu anderen Transmittern konnten Forscher mehrfach zeigen, dass Dopamin ein wichtiger Bestandteil des Belohnungssystems ist.

Im populären Jargon gilt, dass durch Dopamin, aus einem Mögen ein Wollen wird. Es wird im Gehirn ausgeschüttet, wenn ein Reiz, wie leckeres Essen, gesehen wird – und nicht erst, wenn es gegessen wird. Berridge und Kringelbach haben dies in Tierexperimenten gezeigt und in einem Buch zusammengefasst.

In Bezug auf das Glück wurde gezeigt, dass extravertierte Menschen eine intensivere dopaminerge Tätigkeit als ruhigere Zeitgenossen (aber natürlich heißt das nicht, dass extravertierte Menschen glücklicher sind – sie sind einfach nur extravertierter).

Dopamin gilt als Überträger des Placeboeffekts. Das Hören von Lieblingsmusik und eine Meditation stimulieren das dopaminerge System. Jedoch kann ein zuviel an Dopamin zu psychotischen Syndromen führen. Die bekanntesten Dopaminstimulanzien sind Kokain und Amphetamin. Wenn diese Substanzen von gesunden Menschen konsumiert werden, ist das zwar kurzzeitig leistungsfördernd, jedoch sehr schnell suchterzeugend und auf Dauer sehr, sehr ungesund.

Dennoch gilt Dopamin auch unter Molekularbiologen als das vielversprechendste Ziel in der Glücksforschung. Hamer identifizierte den Dopamin-D4-Rezeptor als potententielles Glücksgen und untersuchte, ob das dafür verantwortliche Gen in unterschiedlichen Ausführungen bei glücklichen und unglücklichen Menschen vorliegt (genetischer Polymorphismus).

Er untersuchte dazu eineiige Zwillinge, aber überzeugen konnten seine Arbeiten nicht, denn selbst wenn man annimmt, dass genetisch eine gewisse Grundstimmung angelegt ist, zeigten weitere Arbeiten, dass die Beeinflussung von äußeren Faktoren sowie dem persönlichen Erleben und auch dem Loslassen von schlechten Gewohnheiten für die Ausprägung von Glückszuständen weitaus wichtiger ist. (Ach ja, natürlich wurde Hamer zwischenzeitlich von anderen Forschern widerlegt)

Serotonin

Die Hersteller von antidepressiven Medikamenten haben häufig versucht Serotonin als Glückshormon darzustellen. Nicht ohne Hintergedanken. Schließlich erhöhen antidepressive Medikamente die Ausschüttung von Serotonin. Aber ist eine Depression das Gegenteil von Glück? Oder spielen da nicht noch eine ganze Reihe anderer Faktoren eine Rolle?

Überzeugende Belege für gesteigerte Glückszustände durch Serotonin konnte die Forschung bislang nicht aufweisen. Insgesamt befinden sich ohnehin kaum mehr als 10 mg Serotonin im Gehirn eines Menschen. Eine häufig zitierte Arbeit von Lacasse fasste die Gegenargumente einer Serotonin-Wirkung zusammen. Die Anthropologin Helen Fisher beobachtete zudem, dass frisch Verliebte einen besonders niedrigen Serotoninwert aufwiesen und einen hohen Dopaminwert, sie schloss daraus, dass die Substanzen möglicherweise alternierend wirken und ein hoher Serotoninwert eine hohe Dopaminausschüttung verhindert.

Serotonin macht sich eher bemerkbar, wenn die Konzentration absinkt, also beispielsweise beim Absetzen von antidepressiven Medikamenten. Einige Forscher haben beobachtet, dass Männer bei Serotoninmangel aggressiver werden und dass Frauen ängstlicher werden.

Analog zur Dopamin-Situation zeigt sich, dass ein zuviel an Serotonin ungesund ist. Ein solcher "Serotoninsyndrom" genannter Zustand kann jedoch nicht durch zuviele serotininhaltige Nahrungsmittel ausgelöst werden. Das Serotoninsyndrom entsteht nur, wenn antidepressive Medikamente eingenommen werden.  

Oxytocin

Oxytocin ist ein Neuropeptid, das aus neun Aminosäuren besteht. Es wird in der Hypophyse produziert und gelangt über das Blut bis ins Gehirn. Es wird verstärkt bei der Geburt und beim Stillen ausgeschüttet. Spätere Veröffentlichungen beschrieben Oxytocin als Substanz, die das Vertrauen stärkt.

Oxitocin wird zudem ausgeschüttet, wenn sich Menschen gegenseitig berühren. Es ist jedoch noch nicht abschließend geklärt ob Oxytocin eine eigenständige Rolle im Glücksgeschehen einnimmt oder eine Art Türmechanismus für dopaminerge Signale darstellt.

Depression-Heute: Es erscheint schwierig, eine chemische Basis von Glück zu finden, da keine allgemeinverbindliche Definition von Glück besteht. In den meisten Fällen wird die Definition von Eysenck (1983) verwendet, derzufolge ist Glück: „Eine Sache, die als dauerhafte Extraversion bezeichnet wird. Der positive Affekt im Glückserleben scheint mit ungezwungener Geselligkeit verbunden zu sein, mit einer natürlichen, vergnüglichen Interaktion mit anderen Menschen.“
Aber basiert diese Definition nicht auf einer immerwährenden Suche, die nie zufriedenstellend enden kann?

Kann Glück überhaupt dauerhaft sein? Im Sinne eines Zeitpunkts, an dem man genug Geld hat, eine stets sympathische, liebevolle Frau/Partner, eine erfüllende Arbeit, interessante Freunde? Oder ist Glück - gemäß der Eysenck-Definition nicht mehr als die ständige Bereitschaft, eine neue Suche zu starten? Also eine Art rastloser Faust, der bei seiner Suche immer wieder kurze Glücksmomente verspürt?

Oder erscheint dieser Drang, Glück zu finden, nicht zwanghaft? Und werden bei dieser Suche nicht kontinuierlich andere Menschen verletzt und bleiben enttäuscht zurück?

Vielleicht sollte man Glück anders auffassen und erkennen, das jedem Hoch ein Tief folgt, jedem Kuss eine Träne, jedem Lachen eine Verzweifelung. Jede Anstrengung, jede Suche erscheint dann ungeeignet, Glück zu finden. Es erscheint stattdessen sinnvoller sich seinen Ängsten zu stellen und herauszufinden, was Angst verursacht. Wenn es gelingt, dies zu beseitigen, kann sich ein neuer Zustand einstellen, der dauerhafter ist und auch in Situationen der Not einen Halt bieten kann.