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Sendung vom 02.12.2017. WDR Aktuelle Stunde. Redaktion: Fritz Sprengart.

Eine Patientin leidet unter seelischen Schwierigkeiten. Sie erhält Antidepressiva. Die Medikamente helfen ihr nicht. Sie entschließt sich die Medikamente abzusetzen. Danach geht es ihr schlechter, als vorher. Ihr aktueller Zustand ist "noch schlimmer als die ursprüngliche Krankheit". Sie bittet ihre Ärztin um eine Therapie, die nicht auf Medikamenten basiert. Ihre Ärztin sagt:"dann werde ich sie nicht weiter behandeln".

 

Gegenstimme: Psychiater Wolf Müller: "Eine Depression klingt zu 99 Prozent immer ab". Aber durch eine dauerhafte Medikamentengabe werden Patienten zu Dauerpatienten gemacht.

Die aktuelle Situation in Deutschland: Jedes Jahr werden 1,5 Milliarden Tagesdosen Antidepressiva verschrieben. Die allermeisten Rezepte stellen Hausärzte aus, aber auch Nierenärzte und Onkologen stellen 10mal so viele Rezepte aus, wie Psychiater. Zahnärzte stellen Rezepte über 4,5 Millionen Tagesdosen Antidepressiva aus.

Der WDR fragt nach: Werden Antidepressiva zu leichtfertig verschrieben?

Ärztekammer Nordhein: "Eine leichtfertige Verschreibungspraxis kann in der vermehrten Verordnung von Antidepressiva nicht gesehen werden. (...) Erst wenn die Therapie nicht erfolgreich ist (...), muss zwingend ein Facharzt involviert werden. Eine Einschränkung der Initiierung der Therapie auf Fachärzte würde zu einem erheblichen Engpass in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen führen."

Bundesministerium für Gesundheit: "Der Anteil derjenigen Personen mit depressiven Erkrankungen, die medizinische Behandlung erhalten steigt kontinuierlich an. Dies ist auch der vom BMG geförderten gesellschaftlichen Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen zu verdanken. (...) Die Verordnung von Arzneimitteln in der vertragsärztlichen Versorgung ist durch eine Richtlinie (...) geregelt."

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