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Krankenkassen (!) unter Verdacht

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In der Welt vom 04.12.2017 berichtet die Reporterin Anette Dowideit über eine Razzia der Staatsanwaltschaft Hamburg. Die Auswertung der beschlagnahmten AOK-Akten zeige, dass es möglicherweise "nur auf dem Papier" einen rasanten Anstieg der Diagnose: schwere Depressionen" gegeben hat. Innerhalb der vergangenen vier Jahre ist demnach die Anzahl der Patienten mit dieser Diagnose um 60 Prozent angestiegen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass unser bundesdeutsches Gesundheitssystem Krankenkassen dazu verleitet bei Ärzten "teure" Diagnosen in Auftrag zu geben. Die Ärzte sollen demnach genötigt werden Diagnosen zu stellen, bei denen besonders viel abgerechnet werden kann.

Für jeden Patienten mit einer "teuren Diagnose" können Krankenkassen durchschnittlich 1000 Euro aus einem Ausgleichstopf des Gesundheitssystems erhalten. Im Grundsatz geht es um die Frage, ob mehrere Krankenkassen bundesweit das Sozialsystem in betrügerischer Absicht geschädigt haben, indem sie ihre Patienten auf dem Papier kränker machen, als sie tatsächlich sind.

Die Leidtragenden sind nicht nur die Zahler von Kassenbeiträgen, sondern auch die Patienten, denen aufgrund der "veränderten" Diagnose unnötigerweise Medikamente mit schweren Nebenwirkungen aufgedrängt werden. Bei leichten Depressionen helfen Antidepressiva nicht besser als Placebo. Aus diesem Grund sollten die Medikamente bei diesen Patienten gar nicht angewendet werden. Wenn die Patienten jedoch genötigt werden - trotz leichter Depressionen - Medikamente einzunehmen, erleben sie keine Hilfe in Bezug auf ihre Erkrankung, viele Männer leiden jedoch unter impotenz und viele Frauen unter einer langanhaltenden Anorgasmie - was die Gesundung erschwert. Zusätzliche verbreitete Nebenwirkungen sind Herzbeschwerden und sowie viele weitere Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Unabhängig von den Ermittlungen haben Experten zuvor die starke Zunahme von schweren Depressionen als unverständlich und erklärungsbedürftig beurteilt.

Die Welt 04/12/2017
Dowideit: teure Diagnosen