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Viele Menschen glauben, Serotonin sei ein Glückshormon. Das ist mittlerweile wiederlegt. Aktuelle Forschungen ergeben ein anderes Bild: Serotonin macht nicht glücklich, sondern steuert die Sexualität.

Serotonin hoch, im Bett geht nix

Aktuelle Forschungen ergeben ein anderes Bild: Serotonin macht nicht glücklich, sondern steuert die Sexualität.

Zahlreiche Tierversuche zeigten, dass viel Serotonin die Sexualität blockiert und wenig Serotonin zu einer Übersexualisierung führt. Dem Berliner Professor Michael Bader gelang es mit gentechnischen Methoden Mäuse herzustellen, die kein Serotonin im Gehirn haben. „Diese Tiere sind sexuell viel aktiver, als andere Mäuse.“ berichtet der Berliner Forscher, der bereits seit mehr als 25 Jahren an Serotonin arbeitet. Seine Ergebnisse wurden von vielen anderen Arbeitsgruppen bestätigt.

Obwohl sich Tierexperimente nicht 1:1 auf den Menschen übertragen lassen, führt auch beim Menschen eine Erhöhung der Serotoninkonzentration zu sexuellen Funktionsstörungen. Bis zu 80 Prozent der mit serotonin-erhöhenden Antidepressiva behandelten Menschen, leiden unter Impotenz, mangelnder Erregbarkeit oder dem Verlust ihrer Orgasmusfähigkeit.

Auch der gegenteilige Effekt beim Menschen ist seit langem bekannt. Bereits in den 60er Jahren beschrieben manche Ärzte Frauen als nymphoman, die mit dem Krebsmittel PCPA behandelt wurden. Heute ist bekannt, dass PCPA die serotoninproduzierenden Moleküle im Gehirn blockiert.

Das seit August 2015 auf dem US-Markt erhältliche Medikament Flibanserin basiert auf einem serotoninreduzierenden Effekt. Es wird als „Pink Viagra“ vermarktet und soll die sexuelle Lust von Frauen erhöhen. Das umstrittene Medikament ist jedoch aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen in Europa nicht zugelassen.

Die serotoninlosen Mäuse überraschten nicht nur in sexueller Hinsicht. Sie wurden bei den klassischen Depressionstests als nicht depressiv eingestuft. „Wir haben die üblichen Verhaltenstests eingesetzt, die auch in der pharmazeutischen Industrie verwendet werden. Die Firmen messen damit die Effizienz von Antidepressiva.“ sagt Bader.

Anfangs war bereits die Tatsache, dass Tiere ohne Serotonin überlebensfähig sind, eine wissenschaftliche Sensation. Zahlreiche Forscher hatten zuvor erfolglos versucht Mäuse herzustellen, bei denen durch gentechnische Methoden die beiden anderen berühmten Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin ausgeschaltet waren. Diese Tiere starben noch im Embryonalzustand. Baders serotoninlosen Mäuse waren hingegen nicht nur überlebensfähig, sie konnten sich auch fortpflanzen.

Da bei Antidepressiva sexuelle Beeinträchtigungen viel häufiger beobachtet werden, als eine Wirkung auf die Depression, beschreibt der Arzt und Forscher Peter Gotzsche die Medikamente als „hochwirksame Mittel zur Zerstörung des Sexuallebens“.

Für die US-Anthropologin Helen Fisher ist die neue Bewertung von Serotonin keine Überraschung. Sie hatte bereits im Jahr 2005 die Gehirnflüssigkeit von frisch verliebten Menschen untersucht. Sie bemerkte bei diesen besonders glücklichen Menschen sehr niedrige Serotonin-Werte. Damals warnte Fisher vor einer dauerhaften Einnahme von Antidepressiva und erklärte serotonin-steigernde Mittel würden das Entstehen von Liebe verhindern.