Können antidepressive Medikamente Leben retten oder erhöht die Verabreichung dieser Medikamente das Suizidrisiko? Depression-Heute hat den sehr persönlichen Erfahrungsbericht einer Mutter erhalten, deren Tochter sich im Alter von 27 Jahren das Leben genommen hat. Drei Wochen vor dieser Tat erhielt sie das Antidepressivum Valdoxan.

Warum hat der Pilot Andreas Lubitz die GermanWings Maschine am 24. März 2015 abstürzen lassen. Die Eltern können es sich nicht erklären und kein Experte hat ihnen die wahrscheinlichste Ursache erklärt: Möglicherweise hat das SSRI-Medikament eine Persönlichkeitsveränderung verursacht.

Am Weltglückstag liest man in allen Zeitungen Nachrichten über das Glück und seine Bestandteile. Obwohl Serotonin und Glück keine Verbindung besitzen, behaupten Journalisten, Serotonin wäre ein Glückshormon. Aber warum eigentlich?

Quiz: Warum dauert es zwei Wochen bis Antidepressiva wirken?
a) Weil es zwei Wochen dauert, bis das Antidepressivum die schwarze Galle ausgeleitet hat.
b) Weil es zwei Wochen dauert bis der Negativabdruck eines Serotonin- Rezeptors erscheint, der Depressionen zielgenau und erfolgreich bekämpft.
c) Weil es zwei Wochen dauert, bis sich Lichtenergie von Einhörnern angesammelt hat, die für therapeutische Zwecken genutzt werden kann.
d) Weil durch die Erhöhung des extrazellulären Serotonins zunächst Serotonin-Neurone gehemmt werden, die den Effekt auf die Wiederaufnahmemoleküle aufheben. Erst nach einigen Tagen wird dieser Rückkopplungseffekt abgeschaltet und dann wirkt der Wiederaufnahme-Hemmer gezielt auf die Depression.

Der Spiegel berichtet über den US-Forscher Susumu Tonegawa, der mit blauem Licht eine Verhaltensänderung in Mäusen bewirkt. Autor Johann Grolle schreibt über die Mäuse im Experiment: "Ihre Depressione scheint verflogen, rührig krümmen sie sich, um einen Weg aus ihrer misslichen Lage zu finden."
Liefern die Mausexperimente des Nobelpreisträgers Tonegawa Anlass zur Hoffnung für depressive Patienten? Depression-Heute versucht sich an einer Antwort.

Patienten mit leichten und mittelschweren Depressionen profitieren nicht von der Behandlung mit Antidepressiva. Dieses Wissen findet sich in der Leitlinie Unipolare Depression und auch in den Empfehlungen des britischen NICE Institut, das Behandlungsempfehlungen ausspricht.
Doch wie sieht die wissenschaftliche Beweislage bei schweren Depressionen in der Klinik aus? Gibt es für diese Patienten bessere Daten?

Ist das genetische Wissen in der Psychiatrie vorangeschritten? Ist es gelungen Patientengruppen zu finden, bei denen man vorhersagen kann, auf welches Medikament sie ansprechen? Hilft beispielsweise depressiven Patienten die erhöhte Stresswerte haben, ein bestimmtes Medikament besonders gut, wenn sie eine bestimmte genetische Ausstattung aufweisen? Die Fachleute Dr. David Durham und Dr. Ranjit Thirumaran fassen den Wissensstand in einem aktuellen Buch zusammen.

Zu den häufigsten Gegenargumenten gehört: Antidepressiva können nicht so schlecht sein. Ich habe selber welche eingenommen … während einer schweren Krise und das hat mir damals sehr geholfen.

Der Berliner Psychiatrie-Professor Henrik Walter (Charité) untersucht, ob man beim Absetzen von Antidepressiva zwischen Entzugssymptomen und depressiven Rückfällen unterscheiden kann. „Es besteht ein eklatanter Mangel an Wissen bei diesem Thema“, sagt Walter.

Immer häufiger wird eine Depression zu einer Diagnose, die eine dauerhafte Unterbringung rechtfertigt. Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen.

Im ausführlichen Interview mit dem Gesundheitsmagazin Der Naturarzt erklären Sabine und Peter Ansari, weshalb Antidepressiva Menschen in den Abgrund führen können. Angesichts der leichtfertigen Verschreibung von Antidepressiva und vier Millionen Konsumenten ist ein Umdenken nötig.