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Von Sabine Ansari

Die Lebensmitte ist für eine Frau (und sicher auch für einen Mann) oft eine belastende Zeit. Wir ziehen Bilanz über unser bisheriges Leben und müssen vielleicht einige unserer Träume begraben. Oft haben wir uns in den letzten Jahren im Berufsleben verausgabt und drängende Signale überhört. Zu den Belastungen kommen in dieser Phase, Sorgen um die eigenen Eltern hinzu. Was wird aus ihnen, wenn sie sich nicht mehr selber versorgen können?

wechseljahre

Wir Frauen haben mit einer zusätzlichen Umstellung zu kämpfen. Unser Körper stellt von fruchtbar auf unfruchtbar um. Eine Zeit, in der Frauen oft das erste Mal auch seelische Probleme entwickeln. Sie funktionieren einfach nicht mehr so wie früher. Das ist ganz normal und keinesfalls ein Anzeichen für eine Krankheit. Wir müssen bewusst durch diesen Prozess der Umwälzungen gehen und uns liebevolle Unterstützung suchen.

Psychopharmaka können bei dieser Entwicklung nicht helfen. Leider werden sie Frauen in der Menopause verantwortungslos, standardmäßig und leichtfertig verschrieben. Kaum ein Arzt sagt den Frauen, dass psychische Probleme zu diesem Lebensabschnitt dazu gehören.
Ganz besonders aufpassen müssen Frauen, denen die Gebärmutter und /oder Eierstöcke herausoperiert wurden. Das wird leider häufiger gemacht, wenn die Frau keinen Kinderwunsch äußert oder das gebärfähige Alter überschritten hat.

Diese Frauen werden ohne Vorbereitung von heute auf morgen in die Wechseljahre geschickt. Sie müssen einen Prozess, der sich normalerweise innerhalb von 10 Jahren vollzieht, von einem Tag auf den anderen bewältigen. Oft werden diese Frauen von den Ärzten nicht darauf hingewiesen, dass sie nach einer solchen Operation mit psychischen Problemen rechnen müssen. So kommt es, dass fast alle Frauen, denen die Gebärmutter und /oder die Eierstöcke entfernt wurden, bald darauf gedankenlos Antidepressiva verschrieben werden. Damit beginnt häufig ein furchtbarer Kreislauf. Ein paar Jahre später nämlich beginnen sich diese Frauen zu fragen, warum sie eigentlich Psychopharmaka einnehmen und wobei die überhaupt helfen sollen. Wenn sie ihren Arzt darauf ansprechen, bekommen sie oft zu hören: „Gut, dann lassen sie es eben weg“.

Und dann beginnt das wirkliche Martyrium. Die Frauen beenden die Einnahme und entweder nach kurzer Zeit oder nach Monaten beginnen die großen Probleme. Sie werden ängstlich, trauen sich nicht mehr aus dem Haus, bekommen Schmerzen, können nicht mehr schlafen, werden depressiv, haben Albträume, dazu gesellen oft sich bisher unbekannte körperliche Symptome, die eine Arztodyssee von einem Facharzt zum nächsten zur Folge haben. Es beginnt ein Leidensweg durch verschiedene Kliniken, wo stets betont wird, dass es nicht stimmt, was die Frauen fühlen, nämlich dass sie unter Entzugssymptomen leiden. Es werden noch mehr Medikamente verschrieben, solange bis die Frau wirklich den Eindruck bekommt, sie sei eine schwer kranke Frau.

Dabei handelt es sich bei fast allen Frauen „nur“ um Schwierigkeiten bei der Bewältigung der mittleren Lebensphase. Diese Phase ist eigentlich ein Geschenk, denn meistens sind keine kleinen Kinder mehr zu versorgen und wir Frauen können uns endlich mal mit unseren eigenen Seelenwünschen beschäftigen. Stattdessen werden wir mit Psychopharmaka vollgepumpt, die wir kaum oder gar nicht wieder loswerden. Es gibt Methoden und auch Medikamente, die das Leid in dieser Zeit verringern können. Antidepressiva gehören bestimmt nicht dazu.