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Antidepressiva-Debatte Frankfurt im Januar 2018 – DGSP eV

Ein Beitrag von Dr. Peter Ansari

In Deutschland leiden fünf Millionen Menschen an Depressionen. Jahrelang wurde ihnen erklärt, ihr Serotoninstoffwechsel sei Schuld an der Erkrankung. Ihnen wurde gesagt, die Erkrankung könne nur mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sinnvoll behandelt werden, sonst drohe eine Dauerdepression (Chronifizierung).

Diese Behauptungen wurden von Universitätsprofessoren in die Welt gesetzt. In Deutschland gibt es 37 psychiatrische Universitätskliniken und dementsprechend 37 Institutsdirektoren. Universitäten sind Orte der Wissenschaft. Wissenschaft soll unabhängig sein. Doch kein einziger Lehrstuhlinhaber will gewusst haben, dass in der Öffentlichkeit Lügen über sein Fachgebiet verbreitet wurden. Eine Konferenz in Frankfurt am Main, die eine Klärung anstrebte und im Januar 2018 stattfand, konnte die Frage nach dem „Warum“ nicht beantworten. Die eingeladenen Fachleute waren nicht erschienen oder hatten kurzfristig abgesagt. Die dadurch „nichtgeführte Diskussion“ hatte keinen Einfluss auf das Therapieschicksal der fünf Millionen Depressionspatienten in Deutschland. „Warum kann man hierzulande nicht über die optimale Behandlung von depressiven Patienten diskutieren?“

Von Fachleuten wird erwartet, dass sie unabhängig sind, die Datenlage kennen und eigenständig zu Einschätzungen gelangen. In der Psychiatrie gilt dies nicht. Obwohl von 1987 bis in die späten 2010er Jahre weltweit immer wieder der Gehirnstoffwechsel von depressiven Patienten gemessen wurde und jedes Mal die „niedriger Serotoninwert bei depressiven Patienten“-Theorie widerlegt wurde (eine wichtige deutschsprachige Arbeit erstellte die Ludwig-Maximilians-Universität München), behaupteten die Psychiatriedirektoren, das Gegenteil würde zutreffen und eine Depression würde von einem verminderten Botenstoffangebot im Gehirn verursacht. Da alle Institutsdirektoren mitmachten, kam der Schwindel nicht raus. Keiner scherte aus, keiner sah einen Grund, den Patienten reinen Wein einzuschenken.

Ich arbeite seit der Gründung von Depression-Heute im Jahr 2014 für die Aufklärung von depressiven Patienten, Angehörigen und Behandlern. Sie sollen über Behandlungsmethoden aufgeklärt werden und die Chancen einer medikamentösen antidepressiven Therapie richtig einschätzen.

Im Jahr 2015 schloss ich mich mit Depression-Heute der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) an und arbeite seitdem im Fachausschuss Psychopharmaka mit zahlreichen Psychiatern, Psychologen, Betroffenen, Angehörigen und professionellen Beratern zusammen. Die DGSP ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 1970 besteht, seine Zentrale in Köln unterhält und in nahezu jedem Bundesland von Deutschland Ableger unterhält, die sich für eine bessere psychiatrische Versorgung einsetzen.

Die DGSP ist in den fachlichen Austausch der Universitätskliniken eingebunden und hat unter anderem mit der Neuroleptika-Debatte 2007 einen enorm wichtigen Stein, vielleicht sogar den Grundstein der aktuellen psychiatrischen Einrichtungen, ins Wanken gebracht.

Jetzt, im Jahr 2018, beschloss die DGSP, sich mit antidepressiven Medikamenten und der Therapie von Depressionen zu beschäftigen. Die Vorbereitungen begannen ein Jahr zuvor und die Einladungen für die Konferenz gingen sechs Monate im Voraus an die Fachleute. Die Tagung sollte nichtöffentlich, aber im gepflegten Ambiente stattfinden, die Fahrtkosten sollten ersetzt werden. Erhofft wurde eine Diskussion, bei der niemand befürchten musste, sein Gesicht zu verlieren. Doch von den eingeladenen Institutsdirektoren, Depressionsexperten und Depressionslautsprechern kam keiner. Mit Ausnahme von Professor Tom Bschor aus Berlin war kein einziger Wissenschaftler anwesend, der an der Behandlungsleitlinie unipolare Depression mitgearbeitet hatte, und überraschenderweise kamen noch nicht einmal diejenigen Professoren, die sonst keine Gelegenheit auslassen, um als Depressionsexperten aufzutreten.

Dokumentation der Antidepressiva-Debatte
DGSP Frankfurt 2018
PDF-Download

Anstelle einer präzisen Diskussion hagelte es fadenscheinige Absagen. Die Depressionsexperten schrieben, sie hätten Angst vor einer fehlenden fachlichen Kompetenz – obwohl über die Hälfte der von der DGSP geladenen Experten und auch der Moderator der Veranstaltung (Privatdozent Dr. Dr. habil. Jann Schlimme) ausgebildete Psychiater waren. Hinzu kam das Renommee der DGSP für die Initiierung der Neuroleptika-Debatte.

Besonders schwierig erschien es für die „Depressionsexperten“, dass als Eingangsreferat ein 15-minütiger Impulsvortrag von mir vorgesehen war (diesen Vortrag können Sie über diesen Link betrachten).

Hier ein paar Gründe, mit denen die Experten ihr Fernbleiben begründeten:

„Außerdem habe ich gehört, dass der Autor eines Buches gegen AD, wogegen ich nichts habe, referiert, aber wichtige Personen wie z. B. Prof. XXX, einer der bekanntesten Psychopharmakologen und ein sehr kritischer Geist, nicht eingeladen sind. Vor diesem Hintergrund sage ich meine Teilnahme ab, weil ich die Rahmenbedingungen für eine ausgewogene Diskussion nicht mehr erkennen kann.“

Eine Klarstellung und eine erneute Bitte um Teilnahme dieses besonders wichtigen Experten brachte die folgende Antwort hervor:

„[entfernt].“

  • Eine kleine Anmerkung: Ich habe eine 340-seitige Doktorarbeit zum Thema Depressionen an der Medizinischen Hochschule Hannover verfasst, die von zwei Psychiatern begutachtet und mit „sehr gut“ bewertet wurde …

Weitere Gründe für ein Fernbleiben waren:

„familiäre Gründe“

„betriebliche Gründe“

„das Thema ist so ernst, dass ich darüber nicht mit Ansari diskutieren werde“

Es ist traurig, aber wahr: Die fachlich anerkannte und unabhängige Institution DGSP engagiert sich für einen wissenschaftlichen Austausch zum Thema Depression. Die Organisation scheut weder Kosten noch Mühen (ein zentraler Raum in der Nähe des Hauptbahnhofs Frankfurt wird angemietet, ein für die Teilnehmer kostenloses Catering organisiert, Fahrtkosten erstattet, ein fachliches Referat beauftragt), viele Menschen sind beteiligt, damit diese Diskussion auf neutralem Boden stattfinden kann. Aber die „Experten“ sagen kurzfristig ab, und bei den Absagegründen taucht der Name „Ansari“ überraschend häufig auf.

Ich hätte die Experten gerne gehört und eine fachliche Diskussion geführt. Dabei hätte ich unter anderem gerne über die Biochemie gesprochen. Ich hätte gerne von den Personen erfahren, weshalb sie so häufig erklärt haben: „Depressionen werden von einem erniedrigten Serotoninwert und verminderten Botenstoffwerten verursacht, was von Antidepressiva rückgängig gemacht werden kann.“ Ja, warum haben Sie das erzählt? Was hat Sie dazu bewogen? Bei Ihren Studenten sind Sie doch gnadenlos, wenn diese die Fachliteratur nicht kennen, aber Sie selbst wollen die Veröffentlichungen, in denen die Serotonin-Theorie, die Noradrenalin-Theorie und auch die Stress-Theorie widerlegt wurden, nicht kennen? Wieso? Gab es dafür Gründe?

Übrig bleibt ein schaler Beigeschmack.

Die Presse hat das Thema nicht aufgegriffen. Die Zeitschrift Soziale Psychiatrie hat in ihrer Ausgabe 2/2018 über das Treffen berichtet. Das Referat Öffentlichkeitsarbeit der DGSP hat die Information gemeinsam mit der Stellungnahme Antidepressiva aufbereitet. Aber kein Leitmedium, keine Redaktion hat die Thematik aufgegriffen – es lief am interessierten Bürger vorbei.

Für mich ergibt sich aus den Absagegründen: Besonders „renommierte“ Depressionsexperten ziehen es vor, über bestimmte Personen zu reden, anstatt mit ihnen zu diskutieren.

Dr. Peter Ansari telefoniert – Symbolbild für die AbsetzberatungAbsetzberatung

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